#ganzschöngeladen Das meistverkaufte Elektro-Auto der Welt ist…? Nein, nicht der BMW i3, auch nicht der VW E-Golf, und schon gar nicht das Tesla Model S. Der Nissan Leaf ist es, dem die Herzen zufliegen. Über 280.000 mal haben die Japaner seit 2010 das zugegeben etwas schräge Kompakt-Modell unters Volk gebracht. Jetzt startet Generation zwei, und die war nicht nur im Fitnessstudio, sondern auch beim Style-Berater // #62001

 

Body Die kleine Typ-Beratung hat dem Nissan Leaf gut getan, statt mit Glubschaugen und seltsam anmutenden Rückleuchten tritt Nummer II deutlich gefälliger auf und zeigt scharfe Kanten statt weicher Rundungen. Wer genau hinschaut, entdeckt sogar kleine, feine Details wie die blauen Akzenttupfer im Kühlergrill, der jetzt außerdem stolz ein großes Chrom-V vor sich her tragen darf. Zugeschlagen hat der Stilberater allerdings nicht nur außen: Auch der Innenraum wurde neu eingekleidet, statt Raumschiffbrücke gibt’s jetzt ein vielleicht etwas langweiligeres, aber deutlich praktischeres Cockpit. Geblieben ist leider die hohe, unbequeme Sitzposition und auch das nicht längsverstellbare Lenkrad hat sich irgendwie wieder in die neue Generation rein geschmuggelt.

 

Soul Das Herz eines jeden Stromers sind Akku und E-Motor: Die Maschine hat ordentlich trainiert und ist im neuen Leaf von 80 auf 110 kW erstarkt, damit dauert der Sprint auf Tempo 100 keine langweiligen 11,5 Sekunden mehr, sondern ist in weniger als acht Sekunden abgehakt. Jenseits der Landstraßengeschwindigkeit ist die Beschleunigung deutlich zäher – dafür steigt aber der Stromverbrauch rapide an. Energie ist jetzt allerdings mehr vorhanden, 40 kWh nimmt die neue Batterie auf. Die reichen bei normaler Fahrt problemlos für rund 250 Kilometer, wer nur auf der Autobahn – wo der neue ProPilot nicht nur Gasgeben und Bremsen, sondern teilweise auch das Lenken übernehmen kann – unterwegs ist, muss nach knapp 200 Kilometern an die Steckdose. Für rund 16 Stunden, wenn es ein Haushaltsanschluss ist. Über einen CHAdeMO-Schnelllader wird der Akku in 40 Minuten zu 80 Prozent druckbetankt.

 

Traumtyp Spontane Draufgänger sind immer noch nicht die richtigen Partner für den Nissan Leaf, wer heute nach Berlin, morgen nach München und übermorgen an den Gardasee will, wird mit dem Japaner nicht glücklich. Zuviel Planung erfordert die Ladesäulen-Suche, zu viel Zeit geht fürs Kaffeetrinken drauf, während der Nissan an der Steckdose hängt. Häusliche Typen sind da eher nach seinem Geschmack, am besten jemand mit 9-to-5-Job und kleinem Häuschen am Stadtrand inklusive eigener Stromtanke. Und ach ja, ein bisschen Geld sollte schon auch da sein, mit rund 32.000 Euro ist der Leaf schließlich schon ein gute Stück teurer, als Verbrenner-Kompakte.


Stats

BMI Kompaktklasse, 4,49 Meter lang, 1.580 Kilogramm

Power Elektromotor, 110 kW/150 PS, 320 Newtonmeter

Ausdauer 7,9 Sekunden, 144 km/h,

Vorlieben Strom, 19,4 kWh/100 Kilometer, circa 250 Kilometer Reichweite, 31.950 Euro

Fotos: Michael Gebhardt, Nissan