#zeitlosschön Mit dem A8 hat uns Audi noch nicht wirklich überzeugen können. Klar, das Luxus-Schiff ist eine Oberklasse-Limousine vom Feinsten. Aber zu viel wurde vom autonomen Fahren, vom ferngesteuerten Einparken oder vom Parkrempler- und Felgen-Schutz per Notbremsung geredet – und zu wenig kann das Auto bis jetzt davon. Beim A7 machen die Ingolstädter diesen Fehler nicht noch einmal und konzentrieren sich lieber auf das Wesentliche: die feinen Linien und die zeitlose Schönheit des viertürigen Coupés // #10001

Body „Wer den Zeitgeist heiratet, wird bald Witwer sein“, hat August Everding mal gesagt. Oder Søren Kierkegaard, da ist sich die Geschichtsschreibung nicht so sicher. Sicher dagegen ist der Umkehrschluss: Wer nicht auf aktuelle Trends setzt, bleibt länger in: Ob wir den gerade vollformatig angepriesenen Schalkragen-Woll-Troyer in kiwigrün im nächsten Winter  noch genau so toll finden, ist fraglich. Also doch lieber zum schwarzen Anzug oder zur Jeans mit weißem T-Shirt greifen! Für eine Mischung aus beidem hat sich auch Marc Lichte entschieden.

Nicht für sich selbst, aber für den neuen A7, der wie die schon die erste Generation mit großer Wahrscheinlichkeit auch in zehn Jahre noch ein Hingucker sein wird. Warum? Weil Lichte nicht der ach so modischen, aufsteigenden Schulterlinie mit hohem Heck nachgegeben hat, sondern es beim niedrigen Hinterteil belässt. Dieser Yacht-artige Schwung wirkt nonchalant, während die scharfen Kanten die nötige Eleganz ins Spiel bringen. Und das Beste: Es geht nicht zu Lasten des Platzes. Im Fond sitzen auch Zwei-Meter-Hünen ordentlich und in den Kofferraum mit großer Klappe gehen jede Menge Hutschachteln.

Soul Innen wartet der A7 mit der schönen neuen High-Tech-Welt des A8 auf, das heißt: Bildschirme überall. Das Kombiinstrument hinterm Lenkrad ist volldigital und strahlt brillant, allerdings auch nicht viel anders als in einem VW Polo. Noch ziemlich einzigartig sind dagegen die beiden Touchscreens in der Mittelkonsole, die fast alle Tasten überflüssig machen und beim Drücken, wie neue Smartphones, leicht vibrieren. Wer Angst vor Fingerabdrücken auf den Hochglanz-Displays hat, kann dem Audi viele Befehle auch diktieren, und zwar relativ natürlich: „Mir ist kalt“ versteht der A7 als Aufforderung, die Heizung höher zu drehen und wer dem Auto sagt „ich habe Hunger“ bekommt eine Auswahl von Restaurants in der Nähe präsentiert.

Am schnellsten zum Essen kommt man mit dem 340 PS starken Benziner namens 55 TFSI, der außerdem deutlich harmonischer läuft als der manchmal etwas ruppige Diesel 50 TDI (286 PS). Richtig geschmeidig wird’s übrigens mit der optionalen Luftfederung, dann gleitet der A7 auch genauso lässig über den Asphalt, wie er aussieht. Und mit der Allradlenkung wird er auch noch richtig beweglich: Statt wie ein Bodybuilder nur kraftvoll geradeaus zu marschieren, tänzelt der Fünf-Meter-Feineliner dank der mitlenkenden Hinterräder grazil wie ein Eiskunstläufer um die engsten Kurven – und macht einem als Nebeneffekt in der Stadt dank über einem Meter weniger Wendekreis sogar das Einparken leichter.

 

Traumtyp Fashion-Victims, die jedem Trend hinterher rennen, sind nichts für den A7. Der Ingolständer Gentleman braucht jemanden, der sich und seinen Mitmenschen nichts (mehr) beweisen muss, einen Fahrer, der sich Stil nicht erst noch erarbeiten muss, sondern der ihn schon hat. Gegen sportliche Typen hat er dabei ganz und gar nichts, aber wer lieber zum Dinner als zum Fitnesstudio fährt, ist genauso willkommen.


Stats

BMI Oberklasse, 4,97 Meter lang, 1.890 Kilogramm

Power 3,0-Liter-V6, 7-Gang-Doppelkupplung, 250 kW/340 PS, 500 Newtonmeter

Ausdauer 5,4 Sekunden, 250 km/h

Vorlieben Benzin, 6,8 l/100 Kilometer, 67.800 Euro

Fotos: Audi, Michael Gebhardt