#einechteskerlchen Dass der Jeep Renegade von Anfang an mit seinen großen Brüdern in einer Design-Liga spielen wollte, machten Marken-Details wie der siebenfach geschlitzte Kühlergrill und die an den Ur-Ahn Williys angelehnte Form schnell deutlich. Allein: Der verspielte Gesamt-Auftritt machte es nicht ganz einfach, den Kleinen gleich ernst zu nehmen. Nach vier Jahren kommt der Renegade jetzt in die Pubertät, und mausert sich zum richtigen Jeep // #83001

Body Schaut man sich die großen Jeeps an, Cherokee und Grand Cherokee, ist der Renegade tatsächlich der, der am meisten mit den Weltenretter Willys zu tun hat, den die Amerikaner im zweiten Weltkrieg entwickelt und im großen Stil mit nach Europa gebracht haben. Allein, zwei lässige GIs, den Fuß cool auf den Türrahmen gestellt – was übrigens weniger dem Auftritt, als mehr der Sicherheit diente, den Gurte gab’s im Willys noch keine –  kann man sich im Renegade nicht wirklich vorstellen. Das ist auch nach dem Facelift, dass dank des neuen Kühlergrills, frischer LED-Lichter und vor allem viel weniger verspielter Rückleuchten, die endlich das alberne X nicht mehr so deutlich zur Schau tragen, nicht so. Aber: Echte Kerle können jetzt mit Fug und Recht behaupten, Sie führen einen Jeep.

Style Dynamik und Jeep, das sind – abgesehen von Krawall-Kisten wie dem SRT8 oder dem brandneuen Grand Cherokee Trackhawk, die aber vor allem schnell gerade aus können, eher Gegensätze. Umso erstaunlicher, dass die Ingenieure den Unterbau des Renegades recht straff abgestimmt haben. Mag sein, dass dieser Umstand seinem Zwillingsbruder geschuldet ist, die Plattform teilt er sich nämlich mit dem Fiat 500 X. Richtig gehört. Mit einem Fiat. Davon merkt man aber optisch als auch beim Fahren sonst nicht viel, und wer jetzt schon befürchtet, Jeep hätte einen kleinen Sportler aufgeregt, kann sich beruhigen. Zwar verdaut das Fahrwerk auch flotte Kurven ohne Probleme, aber die Lenkung ist nicht der größte Freund von Richtungswechseln und – da sind sie wieder, die guten alten Jeep-Gene – lädt mit ihrer indirekten Auslegung eher zum gemütlichen schaukeln an.

Was erstaunlich gut passt, sind die neuen Benziner: Ein Dreizylinder, zwei Vierzylinder mit 120, 150 und 180 PS. Der Ein-Liter-Dreizylinder ist freilich kein Sprinter, läuft aber mit genügend Drehzahl auf der Uhr ausreichend flott und klingt gar nicht so nervig wie manche seiner Artgenossen. Einziges Manko: Ihn gibt’s nur mit Frontantrieb und manuellem Getriebe. Auch der schwächere 1.3er-Vierzylinder gibt seine Kraft nur an die Vorderräder an, die wird in dem Fall aber von einem etwas trägen Sechsgang-Doppelkuppler verwaltet; die Top-Version wiederum läuft immer mit Allrad und Neun-Gang-Wandler-Automatik vom Band. Sicher die feinste Kombi, aber auch die teuerste, bei der es mit rund 20.000 Euro Grundpreis nicht mehr getan ist und man eher dreißig- bis fünfunddreißig einkalkulieren sollte. Euro-6-D-fähig sind alle Benziner, wie auch die im Programm gebliebenen Diesel, allein was sie verbrauchen steht noch nicht fest – bei unserer ersten Runde nahm sich der Dreizylinder laut Bordcomputer neun Liter!

IQ Vorreiter in Sachen Hightech? Jeep? Nein, wirklich nicht. Der Renagade ist auf dem aktuellen Stand der Technik, aber nicht weiter – er hält den Abstand zum Vordermann und die Spur, bremst bei Gefahr und liest Verkehrszeichen. Und er kreischt: Wer einmal zu früh wieder einschert nach dem Überholen, wird – obwohl der Schulderblick grünes Licht gegeben hat – vom Tot-Winkel-Warner mit einem markerschütternden Gekreische überrascht und kann froh sein, wenn er nicht vor Schreck erst recht einen Unfall baut. Schon kurz vor dem Facelift hat der Renegade ein neues Infotainmentsystem bekommen, mit großem Touchscreen und Apple CarPlay und Android-Auto-Anbindung. Das System funktioniert im Grunde prima, hat aber typische italo-amerikanische Macken: Seien es seltsame Abkürzungen oder einfach nur der Umstand, dass die Klimaanlagen-Temperatur zwar in Grad-Celsius angezeigt wird, beim Verstellen das System aber doch lieber auf Fahrenheit zurückgreift. Kann man sicher beheben, ist aber irgendwie auch drollig.

Traumtyp Jeep-Fahren ist Männersache, allerdings hat sich der Renegade bislang nicht sonderlich für die echten Kerle interessiert, sondern mit seiner verspielten Optik vor allem die Frauenwelt, metrosexuelle Super-Daddys und Leute, die keinen Jeep, sondern einfach nur ein SUV wollten, angesprochen. Nach dem Facelift reiht er sich wirklich in den Reigen seiner Brüder an, und traut sich auch, mit dem harten Jungs zu flirten.


Stats

BMI Klein-SUV, 4,26 Meter lang, ca. 1500 Kilogramm

Power 1,0-Liter-Turbo-Dreizylinder, 6-Gang-Schaltung, 88 kW/120 PS, 190 Newtonmeter

Ausdauer noch keine Angaben

Vorlieben Benzin, Verbrauch und Preis stehen noch nicht fest, ca. 20.000 Euro


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