#böserbube Bislang war der Audi A1 eine eher gefälliger und vor allem unauffälliger Geselle im Kleinwagen-Segment. Doch damit ist jetzt Schluss: Für die Neuauflage hat Chef-Designer Marc Lichte in der Historie gegraben und dem Kleinen ganz frech Anleihen vom Sport und Ur-quattro verpasst. Dazu ein paar Muskeln und der böse Blick, schon ist der neue Aufreißer im A-Segment fertig // Im Rampenlicht

Schlecht verkauft hat sich der A1 nicht, ein Bestseller war er aber auch nicht: 830.000 Einheiten hat Audi in den letzten acht Jahren unters Volk gebracht. Das ist solide, hat aber nicht gereicht, um beispielsweise Mini in die Parade zu fahren. Mit der Neuauflage könnte den Ingolstädtern das aber gelingen. Vor allem wer sich Retro-Chic der Münchner endlich satt gesehen hat, dürfte auf den scharfen Auftritt des Audis abfahren. Schmale Scheinwerfer, ein großer Kühlergrill und eine Frontschürze wie wir sie vom RS-Modell erwartet hätten sind Serie. Ganz anders als das LED-Licht: Leider fährt auch im Jahr 2018 der Basis-A1 noch mit Halogen-Scheinwerfern vor. Ähnliches trauen sich die Ingolstädter auch im Innenraum, aber dazu später mehr.

Die erwähnte Reminiszenz an den Sport quattro sind beim Audi A1 die drei Lüftungsschlitze über der Motorhaube. Anders als der Rallye-Ahn darf der Kleinwagen dadurch aber nicht atmen, sie sind rein optischer Natur. Ein weiteres Detail aus der Geschichte gibt’s in der Seitenansicht: Die breite C-Säule, die sich stark nach vorne neigt, ist nicht nur beim Schulterblick im Weg, sondern auch vom Ur-Quattro bekannt und scheint den A1 schon im Stand nach vorne zu schubsen.

Keine Spielereien

Dazu ein kräftiges Heck mit – ebenfalls nur angedeutetem Diffusor – und ein paar Muskeln, über die sich das straffe Blechkleid spannt. Und keine Spielereien mehr, wie der seltsame Dachbügel den der Vorgänger noch trug. Stattdessen eine breite Spur und kurze Überhänge, die den Kleinen kraftvoll-gedrungen und verdammt selbstbewusst wirken lassen.

Das Selbstbewusstsein geht im Innenraum weiter: Auf hohem Audi-Niveau verarbeitet, aber nicht immer in typischer Materialqualität ausgeführt, präsentiert sich im Top-Modell ein High-End-Cockpit mit virtuellen  Instrumenten und einem 10,1-Zoll-Infotainment-Touchscreen, der der Bedienlogik seiner großen Brüder A6, A7 und A8 folgt. Nur auf das in den höheren Klassen eingeführte, zweite Display verzichtet Audi beim A1, stattdessen gibt es herkömmliche Klimaregler.

Ablagefach statt Display

So schön, so modern. Schade nur, dass Audi für die Einstiegs-Version deutlich abspeckt. Zwar bleiben die digitalen Instrumente in einer reduzierten Ausgabe an Bord, doch wer auf einen etwas kleineren Bildschirm in der Mittelkonsole setzt, der wird enttäuscht. Stattdessen verbauen die Ingolstädter – ein Ablagefach. Richtig gehört: Wer nicht bereit ist, tiefer in die Tasche zu greifen, der bekommt nicht nur einen Kleinwagen mit Halogenscheinwerfern, sondern auch gänzlich ohne Display in der Mittelkonsole.

Heißt im Umkehrschluss: Der Beifahrer ist komplett außen vor, selbst das Radio kann dann nur noch vom Fahrer über das Multifunktionslenkrad bedient werden. Mag sein, dass das beim TT, R8 und im Lamborghini funktioniert und sich als besonders puristisch-sportlich verkaufen lässt. Im Falle des Audi A1 ist es nicht mehr als ein Marketing-Trick, um den Kunden ein paar hundert Euro extra für das einfachste Infotainment-System zu entlocken. Denn abgesehen von ein paar Mietwagen wird wohl kein A1 das Werk mit Ablagefach verlassen.

Freuen kann man sich dagegen, Ausstattung hin oder her, über mehr Platz. Zumindest in Reihe eins geht’s um einiges luftiger zu, hinten dagegen ist es eng wie eh und je. Aber in den meisten Fällen dürfte die Rückbank eh mehr als Ablage genutzt werden, und die ist jetzt immer gut zugänglich. Audi streicht nämlich, wie VW beim Polo, den Dreitürer aus dem Programm. Und noch etwas haben die Ingolstädter gestrichen: Die Dieselmotoren.

Adieu, A1-Diesel

Wenn der Audi A1 im Herbst auf den Markt kommt sorgen ausschließlich aufgeladene Benziner für Vortrieb, angefangen beim 100 PS starken Dreizylinder bis hin zum 200 PS leistenden Zwei-Liter-Vierzylinder. Und natürlich das S-Modell. Das ist noch nicht bestätigt, dürfte aber auf rund 250 Pferdchen zurückgreifen können. Ob Audi den Preis des bisherigen S1 auch in Zukunft halten kann, ist offen: bislang startete das Sportmodell bei 30.000 Euro. Für den normalen Einstiegs-A1 will Audi Preise von „unter 20.000 Euro“ aufrufen. 


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