#kannalleineliefern  Mit Büchern fing es an, doch inzwischen ist von der Druckertinte, über Pillen und Cremes bis hin zu Lebensmitteln fast alles im Internet bestellbar. Das ist praktisch, schließlich wird die Ware frei Haus geliefert. Allerdings quälen sich deshalb auch immer mehr Lieferwagen durch die engen Innenstädte, und nicht selten muss man dann doch zur Postfiliale laufen. Mit dem Projekt „Vans and Robots“ das auf der CES debütierte, will Mercedes-Benz Vans das jetzt ändern. // Zukunft

   Las Vegas. Stellt Euch vor, ihr bestellt etwas, und nur drei Stunden später kommt das Paket daheim an. Was heute noch wie Zukunftsmusik klingt, soll schon bald Realität werden. Möglich machen es spezielle Mercedes-Sprinter, die an einer Vielzahl von Hubs in Großstädten mit Waren bestückt werden können. Und kleine Roboter, die die Pakete auf den letzten Kilometern ausliefern – und die in der Regel weniger mürrisch sind als die DHL-Hermes-und-Co-Fahrer, denen oft schon das Klingeln zu lästig ist…

   Aber der Reihe nach: Nehmen wir an, ich bestelle mir ein neues iPad. Da das in der City jeden Tag zigfach passiert, hat Apple natürlich schon reichlich Tablets in den diversen Hubs zwischengelagert. Der Sprinter fährt dort vor und mein Paket wird nur wenige Minuten nach der Bestellung eingeladen. Insgesamt gehen bis zu 54 speziell angefertigte Ladeboxen in den Transporter. Sind alle Bestellungen an Bord, berechnet der Computer die optimale Route durch die Stadt und die besten Haltepunkte.

   An diesen Stopps kommen die kleinen, schwarz-weißen Roboter ins Spiel. Acht dieser niedlichen, sechsrädrigen Gefährte hat der Sprinter an Bord. An einem vordefinierten Haltepunkt angekommen, informiert der Computer den Fahrer, welche Box in den Roboter muss. Der Deckel wird verschlossen und schon geht die Reise los: Mit meinem iPad an Bord macht sich der Liefer-Helfer völlig autonom auf den Weg aus dem Sprinter und zu mir.

   Auf Basis einer hochdetaillierten Landkarte wird die Route berechnet, Treppenstufen und andere nicht überwindbare Hindernisse werden umfahren und sogar die Ampeln sind verzeichnet. Vor ihnen bleibt der Roboter artig stehen, noch braucht er allerdings das Go aus einer Art Leitstelle, damit er bei Grün weiterfahren kann. Der menschliche Betreuer sieht die Ampel durch die verbauten Kameras, die der Roboter nutzt, um sich auf dem Gehweg zu orientieren; später soll er damit auch selber das Grünlicht erkennen können.

   Neben den Kameras helfen vor allem Ultraschallsensoren dabei, Kollisionen mit Menschen, Hydranten oder Hunden zu vermeiden – wobei sich Passanten bei den ersten Testversuchen, unter anderem in Hamburg, Düsseldorf und Washington, erstaunlich wenig für die kleinen Lieferroboter auf ihrem Weg interessiert haben. Auch geklaut wurde übrigens noch keiner. Bei mir angekommen, schickt mir der Roboter eine Nachricht, dass ich mein Paket abholen kann, und übermittelt mir gleich den Öffnungscode für seinen verschlossenen, wasserdichten Kofferraum.

   Sobald ich meine Lieferung entgegen genommen habe, rollt der Roboter wieder los und sucht sich den nächsten freien Sprinter in der Umgebung, wo er zusteigt und auf neue Aufträge wartet. Oder auf einen neuen Akku: Der Stromspeicher hält ungefähr zwei Stunden, geladen werden können die Roboter aktuell aber noch nicht an Bord des Sprinters. Bis „Vans and Robots“ in die Serie geht, könnte man aber sicher problemlos eine induktive Lademöglichkeit vorsehen.

   Ab wann uns die Roboter im großen Stil auf dem Gehweg begegnen und nicht mehr alle paar Meter ein Lieferwagen in zweiter Reihe parkt, ist noch offen. Noch in diesem Jahr aber wollen Mercedes und der Roboter-Partner Starship Technologies zusammen mit einem Logistikdienst einen großen Feldversuch starten.

Fotos: Mercedes, Michael Gebhardt