#kannmansobauen Volkswagen muss in den USA Sympathiepunkte sammeln, und das geht am besten mit einer Neuauflage des Hippie-Klassiker Bulli. Auf der Messe in Detroit zeigen die Wolfsburger die Flower-Power-Studie I.D. Buzz, die schon erstaunlich nah an der Serie dran ist // Konzept 

   Detroit. Wiederbelebungsversuche des legendären Bullis hat VW schon mehrere unternommen, über den Status einer schicken Studie kam allerdings bislang keine der Gedankenübungen hinaus. Ein Schicksal, das dem auf der Autoshow in Detroit gezeigten Concept Car I.D. Buzz hoffentlich nicht droht – zu kultig, zu stylish, zu großartig ist die Neuauflage des Retro-Klassikers.

   Dass die Studie ausgerechnet in Detroit zu sehen ist, verwundert nicht. VW muss in den USA für gute Stimmung Sorgen, und das geht nun mal nicht mit zwar guten, aber doch eher langweiligen Standardmodellen wie Golf oder Passat. Und auch der ebenfalls neue, verlängerte Tiguan Allspace oder das noch größere SUV Atlas, das vorrangig für die Amis entwickelt wurde, eignet sich nur bedingt zum Sympathiepunkte -Sammeln; sie sind mehr Pflicht als Kür.

   Die Herzen der Amerikaner schlagen für zwei Volkswagen: Den Beetle, und den Bulli – oder Splittie, wie sie ihn auf der anderen Seite des Teichs wegen der ursprünglich geteilten Heckscheibe des T1 gerne nennen. Und da der weitere Werdegang des Käfers noch in den Sternen steht, ist es nur folgerichtig, das VW die Bus-Karte ausspielt.

   Mit optischen Anleihen an seinen Ur-Ahn – die gelb-weiße Lackierung, das große VW-Logo an der Front, oder die Lüftungsschlitze an der hinteren Fahrzeugsäule – und einem magnetisch schwebenden Buddha-Zwerg hinter der Windschutzscheibe, der die obligatorische Hula-Tänzerin der 60er Jahre ersetzt, weckt er bei Alt und Jung Erinnerungen. Die einen fuhren damit selbst mit langen Haaren und weiten Hosen an den Strand, die anderen sind eine Folge dieser Ausflüge ans Meer, und wieder anderen erzählen die Großeltern noch heute mit einem Funkeln in den Augen davon.

   Ein gute Portion Vorschusslorbeeren heimsen also schon Optik und Image ein, den Rest muss die Technik erledigen. Die mutet auf den ersten Blick recht futuristisch an, aber schaut man sich die Studie näher an und sitzt mal auf dem Fahrersitz oder der flauschig gepolsterten Rückbank mit Kuschelkissen Probe, merkt man: So weit von der Serie ist das Konzeptauto gar nicht entfernt! Denn verschiebbare Polster vor den Fondfenstern, um auch mal den Kopf anlehnen zu können, Türöffner mit Berührungssensoren statt klassischen Handgriffen, oder Schienen im Fahrzeugboden, auf denen die bis zu acht Sitze durch den gesamten Wagen geschoben werden können, fallen wahrlich nicht unter Rocket-Science.

   Auch der Elektro-Antrieb im Boden ist kein Hexenwerk, 600 Kilometer Reichweite und jeweils 150 Kilowatt Leistung an jeder Achse sind schon nach heutigem Stand durchaus realistisch. Drückt man das mit einem Play-Symbol versehene Fahrpedal durch, flitzt der Bulli in fünf Sekunden auf Tempo 100. Maximal soll er 160 km/h schaffen – Werte, von denen der Boxer-getriebene T1 nur träumen konnte.

   Auch was das autonome Fahren anbelangt, hat die Zukunft längst begonnen: Zwar wird es noch eine Weile dauern, bis der Bulli alleine durch die Stadt oder an den Strand düst und man sich im Fond schon auf der Anreise nach alter Hippie-Manier vergnügen kann, doch zumindest auf der Autobahn könnte er sicher schon heute ohne Zutun des Fahrers seinen Weg finden – wenn ihn nur der Gesetzgeber ließe. Aber mit dem hatten die Flower-Power-Jünger ja schon öfter mal Differenzen…

   Der Staat ist es auch, der wohl am meisten gegen das versenkbare Lenkrad hätte; bestimmt entspricht es keiner gängigen DIN-Norm Praktisch ist es allemal: Hat der Fahrer keine Lust mehr aufs Selbersteuern, reicht ein Druck auf das VW-Logo des querformatigen, iPad-großen Volants und schon verschwindet selbiges bündig im Armaturenbrett  – umgekehrt funktioniert es genauso.

   Wobei der Begriff Armaturenbrett irreführend ist. Von den namensgebenden Anzeigen, Instrumenten und Uhren ist im Buzz nichts mehr geblieben, der Fahrer bekommt alle Informationen per Head-up-Display auf die Straße projiziert. Und statt der klassischen Mittelkonsole steckt ein iPad auf einem verschiebbaren Kasten, der auch in den Fond bewegt werden kann.

   Sollte sich VW für den Bau des Bullis entscheiden, dürfte es kein allzu großer Aufwand sein, die Studie in die Serie zu überführen. Der Image-Gewinn dagegen, den der krisengebeutelte Konzern in den USA so dringend bräuchte, könnte umso größer ausfallen. Und auch bei uns in Europa würde sich der neue Bulli wohl kaum die Räder in den Schauräumen der Händler platt stehen. Hippies im Geiste gibt es schließlich immer noch genügend. Und Uschi Obermaier und Rainer Langhans haben sicher Zeit für die Werbekampagne.

Fotos: Hersteller, Jo von Lange, Dominik Laska