#Zugpferd Da ist es, das diesjährige Flaggschiff der Wolfsburger Hausmarke. An der Stelle, wo wir Traditionalisten noch eine (über-) lange, elegant getrimmte Limousine erwarten, da setzt VW auf den Touareg, ein mit Matrix-LED aufgefrischtes, fast zwei Meter breites SUV und nennt dieses dann ihre komfortabelste Limousine. Und tatsächlich sollte der Touareg als Grenzgänger zwischen Offroad und Opernparkhaus, mit einer kaum zu überblickenden Fülle von Fahrassistenzen und  erweiterter digitaler Vernetzung für das größte Touch-Display seiner Klasse, sowie feinstem Soundsystem mit adaptiven Raumklang kaum Wünsche offen lassen für den verwöhnt digital-optimierten, Landkreis-bewohnenden Großstädter // #14001

Body Gestriegelt und gebügelt. So gehört sich das für einen VW und natürlich besonders für den Touareg. Der ist übrigens eines der letzten Kinder der Ära Winterkorn, geprägt von dem Wunsch, technische Präzision auch kompromisslos ins Blech zu zeichnen. So sehen wir am Touareg die schon vom Tiguan bekannten Sicken, die aussehen wie sehr gut gemeinte Bügelfalten in der Businesshose. Im Gegensatz zu jenem darf sich der Touareg jedoch mehr Muskeln und mehr Körper im Blechkleid gönnen. Das macht sich vor allem über dem hinteren Radhaus bemerkbar, mit einer dynamisch tänzelnden Schulterlinie und einem schön ausformulierten Blister, dessen heckseitige Erweiterung durchaus an die Flächenzüge eines Cayenne erinnern darf. Bevorzugt will der Touareg aber von vorne gesehen werden. Die LED-Leuchten sind vollständig horizontal in den Chromgrill integriert, die obligatorisch wilde Kamera- und Sensorbatterie wird einigermaßen unauffällig vom großen Grill verschluckt. Damit kann sich der Touareg nicht nur rühmen, hinsichtlich seines markant breiten Gesichts wohl eine der treffendsten Besetzung in der Rolle eines SUV darzustellen, er findet damit auch, ganz im Sinne des German Designs, einen optisch eindeutigen Anschluss an den Arteon.

Soul Ich will alles können. Aber am liebsten habe ich es, wenn du mich in Ruhe fährst. Könnte der Touareg tatsächlich schon mit seinem Fahrer reden, würde man ihm vielleicht einen solchen Satz unterstellen. Klar ist, mit einer mehrseitigen Liste von Assistenzsystemen, von teilautomatisierten Fahrten bei unter 60 Km/h, Head-Up-Display, diversen proaktiven Brems- und Beschleunigungshelfern, Warnsystemen für Kreuzungssituationen und Nachtsichtunterstützung ist auch im Touareg die Sicht schon weit geöffnet für die Zukunft des autonomen Fahrens. Dazu kommt ein Komfortpaket mit Massagesitzen und ein 15 Zoll großes Touch-Display auf der Mittelkonsole. Der Touareg gibt so schon einen Eindruck, was wir in Zukunft unter Fahrspaß verstehen können, nämlich die private Lounge zum Wohlbefinden. Ach ja, eine Offroad-Maschine will er ja auch sein. Dafür lässt sich zum Beispiel sein Fahrwerk um 70 Millimeter erhöhen. Bei allen respektablen Versuchen soll aber hinsichtlich dieses Terrains keine überragende Eigeninitiative bei uns aufkommen. Vielleicht erstickt da VWs Komfortoffensive den Zugang zum wahren Charakter der V6-TDI Maschine mit 286 PS, vielleicht warten wir einfach noch auf die größeren TDI Aggregate mit 340 und 421 PS, oder mehr im Zeitgeist, gleich auf den Plug-In-Hybriden, den VW aber zunächst nur in China auf die Straße bringen will.

 

Traumtyp Wem die Geschichte vom Range Rover noch bekannt ist, vom guten alten englischen Landadel, dem es irgendwann neben dem Defender noch eines Stadtautos bedurfte, um nach Kensington oder geschäftlich nach Westminster zu kommen, der stellt fest: Das Blatt hat sich gewendet. Heute zieht es zwar den Großstädter zur Wochendendfrische hinaus, der jedoch bleibt bevorzugt in seinem natürlichen Habitat, den engen Großstadtparkhäusern, Autobahnbaustellen und schicken Italienern. Wer also gerne mal die Cross-Enduros mit dem Motorradanhänger an den Gardasee bringt, dafür den Wagen dann in der Woche für die Kundentermine nutzt, für den kann sich der Touareg erwärmen. Auch dieser VW sucht den soliden Typ, der seine Routen gut plant und das schicke Blechkleid seines Vehikels zu schätzen weiß. Diesen Typen verwöhnt der Touareg dann auch zum Dank mit einer Vielzahl von Annehmlichkeiten für einen im Vergleich bodenständiges Investment.

 


Stats

BMI SUV, 4,9 Meter, 1.995 Kilogramm

Power 3.0-Liter-V6-TDI, Allradantrieb, 8-Gang-Automatik, 210 kW/268 PS, 600 Newtonmeter (in der Elegance-Version)

Ausdauer 6,1 Sekunden, 238 km/h

Vorlieben Diesel, 6,9l/100km

Fotos: Hendrik Terwort