#kannmankaumbessermachen Die Markenstrategie von Rolls-Royce ist schnell erklärt: Seit 1925 soll der Phantom das beste Auto der Welt seien. Damit kommen sie sich zwar, zumindest was das Marketing anbelangt, mit Mercedes in die Quere. Doch ganz ehrlich, wer sich für eine S-Klasse interessiert, dürfte für den Nobel-Autobauer sowieso nicht als Kunde in Frage kommen – es sei denn, er spekuliert auf eines der neuen Maybach-Modelle. Um denen weiterhin standesgemäß Paroli bieten zu können, fahren die Engländer jetzt die achte Generation des Phantom vor // Premiere

   München/Goodwood, England. Kann man ein Auto, das wie kein anderes für handwerkliche Perfektion und Luxus in Reinform steht, eigentlich noch besser machen? Man kann. Dafür muss man aber schon tief in die Technik-Kiste greifen, denn mit ein paar Retuschen hier und da lässt sich die Messlatte in dieser Liga nicht mehr höher legen. Doch zum Glück kann Roll-Royce auf das Know-How seiner bayrischen Mutter BMW zurück greifen. Und die gönnt der Nobeltochter nicht weniger als eine komplett neu Plattform.

Die heißt, ganz bescheiden, Architecture of Luxury und soll fortan Basis aller neuen Rolls-Royce-Modelle sein, also auch für den kleineren Ghost und für das schon bald die Bühne berollende Über-SUV Cullinan – von dem die Briten, dass sei nur nebenbei erwähnt, noch vor einigen Jahren gar nichts wissen wollten. Ihre Meinung haben die englischen Statthalter allerdings nicht nur in Sachen Modellpolitik geändert, sondern auch was die Assistenzsysteme anbelangt.

Hieß es bisweilen immer „unsere Kunden wollen das nicht“, setzt Rolls-Royce jetzt auf verhältnismäßig moderne Elektronik:  Abstandstempomat, Notbremsassistent, Spurwechselwarner, Querverkehrüberwachung, Nachtsicht-Gerät, Rund-um-Kameras und ein Fernlicht, das bis zu 600 Meter weit strahlt, sollen es den Chauffeuren dieser Welt so einfach wie möglich machen, das neue Dickschiff sicher zu manövrieren.

Damit auch die Herrschaften im Fond von den Unwirtlichkeiten der Außenwelt verschont bleiben, verbaut Rolls-Royce unter anderem ultraleise Reifen, eine sechs Millimeter dicke Doppelverglasung und mehr als 130 Kilogramm Schalldämmung – das sind knapp 15 Prozent des Leergewichts eines Smarts. Leisten kann es sich der Rolls, schließlich wiegt der neue, aus Aluminium gefertigte Unterbau gut ein drittel weniger als das alte Chassis.

Und Kraft ist wie üblich auch „ausreichend“ da. Anders als früher, macht der Autobauer inzwischen sogar konkrete Angaben zum Antrieb: Wie immer schöpft der Zwölfzylinder seine Power aus den klassischen 6,75 Liter Hubraum, allerdings zukünftig nicht mehr freiatmend, sondern mit dem Druck zweier Turbos. Die quetschen 571 PS und 900 Newtonmeter Drehmoment raus, was die markentypische Waftability sicher stellen dürfte. Damit beschrieb 1906 ein Journalist der Autocar  das Gefühl „unangestrengter Bewegung“, wie sie nur ein Rolls-Royce bietet.

Was unter der überlangen, von einer Chromleiste eingerahmten Motorhaube schlummert, dürfte die meisten Käufern aber gar nicht so sehr interessieren. Schließlich weilen sie weit davon entfernt, im Fond, und dösen auf dem neuen Schlafsitz – mit Blick auf den künstlichen Sternenhimmel. Oder gönnen sich ein Glas Champagner. Oder sie betrachten das Kunstwerk, dass sie eigens für ihren Phantom haben schaffen lassen und das nun in der Gallery im Armaturenbrett ausgestellt wird: ein Ölgemälde, eine Porzellanrose oder eine Skulptur aus Seide? Nur das Bankkonto setzt hier Grenzen – das ist nach dem Kauf aber ohnehin gut eine halbe Million Euro leichter.


Galerie

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Fotos: Rolls-Royce