#praktischersportler Das Geschrei war groß, als BMW 2008 den ersten X6 auf den Markt brachte – doch der Erfolg ist noch größer. So groß, dass die Münchner sechs Jahre später den kleinen Bruder X4 nachschoben. Der geht jetzt in die zweite Runde, und tritt gestählt und mit noch mehr Sex-Appeal auf als sein Vorgänger. // #11002

Body

SUV-Coupés – oder Sports Activity Coupés (SAC), wie sie im Münchner Vierzylinder lieber sagen – polarisieren immer noch, und das schräge Heck ist sicher nicht jedermanns Sache. Aber: Es gibt genug Käufer, die auf die schräge Optik abfahren und inzwischen hat das Design-Team den richtigen Dreh raus, um aufzufallen ohne abzuschrecken. Sah der erste X6 noch so aus, als wäre er das einzige Auto, dass einen Atomkrieg überstehen kann, ist der neue X4 – das vierte SAC-Modell aus München – inzwischen ziemlich gefällig, ohne langweilig zu sein. Die Front ist weitgehend bekannt und orientiert sich stark am Technik-Spender X3, dafür fällt das Heck mit den extrovertierten Rücklichtern umso mehr auf – Leuchten in dieser Form werden wir in Zukunft häufiger sehen. Zum Glück sind sie beim X4 allerdings noch nicht so sehr zum Schmollmund geformt, wie beim ebenfalls neuen X5, der im Herbst an den Start geht.

Soul

Beim X4 mussten die Techniker einen derart weiten Spagat meistern, der selbst manchem Kunstturner ein Ziepen im Schritt verursacht hätte. Praktisch wie ein SUV soll er sein, aber auch so dynamisch wie ein Coupé. Für ersteres sorgt die Basis X3 quasi von allein: Die Sitzposition ist erhöht, der Einstieg einfach, das Platzangebot ordentlich, der Kofferraum geräumig. Wie aber kriegt man einen 1,62 Meter hohen Fast-Zweitonner dazu, mit Leichtigkeit um Pylonen zu wedeln und auf dem Alpenpass genau soviel Spaß zu machen wie ein flacher Zweitürer?

Man nimmt als Basis das Sportfahrwerk aus dem X3, bietet ein zusätzliches M-Performance-Paket an und stimmt Unterbau, Lenkung, Allradantrieb und das elektronische Sperrdifferenzial in vielen Entwicklungsstunden und -runden perfekt aufeinander ab. Das Ergebnis sorgt auf dem Handlingkurs für Staunen: Unbeirrt pfeilt der X4 ums Eck, bleibt seiner Linie fast immer treu – und lässt sogar den Wunsch nach noch etwas mehr Power aufkommen. Dabei steckt mit dem M40d bereits eine Wuchtbrumme unter der Haube: 326 PS und 680 Newtonmeter Drehmoment sind eine Ansage. Das Benzin-Pendant bringt es sogar auf 354 Zähler, darunter rangieren jeweils zwei weitere Ottos und Diesel mit mindestens 184 Ps. Bei allen serienmäßig: Die formidable Achtgang-Automatik und der Vierradantrieb.

IQ

Eine Vorreiterrolle in Sachen Zukunfts-Technik nimmt der X4 nicht ein, Alexa an Bord, Hybrid- oder Elektroantrieb oder bahnbrechend neue Autonomie-Funktionen sucht man vergebens. Dafür gibt es Konzernregal-Technik vom neuesten Stand, vom 10,25-Zoll-Touchscreen-Infotainment mit Gestensteuerung über ein aktuelles Assistenten-Arsenal bis hin zum digitalen Autoschlüssel, auf dessen Display nach Smartphone-Manier gewischt und gedrückt werden kann und der anzeigt, ob die Fenster zu sind und wieviel Sprit noch im Tank ist.

Traumtyp

Individualisten sind die Zielgruppe des X4, die er mit seiner ausgefallenen Optik umgarnt. Wo die herkommen, ist ihm egal: Der 4er-Coupé-Fahrer, der seinem Bandscheiben-Vorfall Tribut zollt ist ihm genauso willkommen, wie der X3-Kunde, der nicht mehr ganz so viel Platz braucht wie bisher. Hauptsache, sie bringen genug Kleingeld mit: Den schnittigere Blechanzug, die sportlichere Abstimmung und bis zu 170 Liter weniger Platz im Kofferraum lässt sich der X4 nämlich mit gut 5000 Euro Aufpreis gegenüber einem X3 bezahlen.


Stats: BMW X4 M40d

BMI MIttelklasse SUV-Coupé, 4,75 Meter lang, ca. 1800 Kilogramm

Power 3,0-Liter-Turbo-Sechszylinder, 8-Gang-Automatik, 240 kW/326 PS, 680 Newtonmeter

Ausdauer 4,9 Sekunden, 250 km/h

Vorlieben Diesel, 6,4 Liter/100 km, ab 79,900 Euro


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