#kannteuerwerden Chinas Verhältnis zu Tibet ist bekanntlich gespalten, und auch der Yeti ist im Reich der Mitte augenscheinlich ein Reizthema. Was dem Schneemenschen, der außer Reinhold Mesner eh noch keinen Menschen gesehen hat, egal sein könnte, stört die Skoda-Verkäufe im fernöstlichen Boom-Land empfindlich. Die logische Schlussfolgerung: Der Yeti muss weg. Der Nachfolger heißt Karoq und kommt nicht nur mit neuem Namen, sondern auch mit deutlich mehr Platz – und einer ziemlich umfangreichen Aufpreisliste // Ausfahrt

Palermo, Italien. Kodiaq, Karoq – wer jetzt schon den Überblick verliert, darf sich freuen: Es geht noch weiter. Nicht ohne Grund hat Skoda bei der Yeti-Neuauflage nicht nur den alten Namen ad acta gelegt, sondern auch die so beliebten Wohlfühlmaße auf dem Altar der Baureihenerweiterung geopfert. Mit gerade mal 4,22 Metern punktete der dennoch geräumige Yeti mit hervorragender Großstadt-Parklückentauglichkeit. Für den, freilich noch etwas luftigeren, Karoq muss der Stellplatz schon mindestens 16 Zentimeter größer sein.

Aber, die Tschechen brauchen nunmal Platz, für eine weiteres SUV eine Preisstufe unterhalb. Während Volkswagens Kompakt-SUV-Trio aus Tiguan, Seat Ateca und eben Karoq inzwischen komplett ist, haben die Spanier mit dem Arona gerade den Anfang im Kleinwagen-Segment gemacht. Volkswagen zieht mit dem Polo-SUV T-Cross nach, und auch Skoda wird die geschaffene Lücke nicht lange ungefüllt lasen. Wie der Neue heißt? Ist noch nicht offen, aber mit Sicherheit irgendwas mit K und Q.

Jetzt aber schlägt erst mal die Stunde des Karoqs: Der ist nicht nur größer als der Yeti, sondern auch deutlich gefälliger, was in Anbetracht der etwas tollpatschigen Optik des Vorgängers aber keine allzu schwere Aufgabe für den mittlerweile zu BMW gewechselten Designer Jozef Kaban gewesen sein dürfte. Die größere Hürde war offensichtlich eine deutliche Differenzierung zum Seat Ateca zu schaffen, und ganz ehrlich: So ganz ist den Tschechen dieser Sprung nicht gelungen.

Zwar wirkt der Karoq mit eigenständigen Details wie den von Kaban fast schon zu Tode zitierten, „kristallinen Scheinwerfern“ und dem markentypischen Kühlergrill irgendwie wie ein Skoda. Die Grundform der Karosserie aber lässt keine Zweifel an der Zwillingstechnik zu. Vorteil Skoda: Die Außenspiegel sind beim Karoq einen Tick größer als die gefühlt von Modell zu Modell kleiner werdenden Rückblicker bei Seat.

Und auch innen unterscheiden sich die süd- und osteuropäischen Varianten merklich voneinander. Der Karoq ist – wie alle Skodas – aufgeräumt, übersichtlich, unspektakulär. Natürlich hat Skoda das Cockpit für den Karoq nicht neu erfunden, sämtliche Bauteile sind aus dem Konzernregal bekannt. Das gilt auch für das topmoderne Infotainment-System mit riesiger Glasoberfläche, Online-Zugang und Smartphone-Anbindung – aber leider ohne klassischen Lautstärkeregler, der deutlich einfacher zu bedienen wäre, als die unsäglichen Tasten. Vor allem, wenn man nicht auf planem Asphalt unterwegs ist, sondern auf hoppeligen Geländestrecken.

Macht keiner? Richtig. Aber der Skoda könnte es. Zumindest wenn man sich für eine Variante mit Allrad entscheidet. Davon gibt’s vorerst allerdings nur eine, den 150 PS starken Zweiliter-Diesel. Der markiert bis zur Einführung eines 190-PS-Selbstzünders im Jahr 2018 zusammen mit dem 1.5 TSI gleichzeitig die Spitze der Motorenpalette. Auch den großen Benziner solle es ab nächstem Jahr mit Allrad geben, vorerst aber muss man sich hier mit Frontantrieb begnügen. Ob es daran liegt, dass der Selbstzünder deutlich souveräner wirkt als der Otto? Wohl kaum. Der neue 1,5-Liter-Universal-Motor macht schließlich im Golf eine gute Figur. Aber der ist auch ein gutes Stück leichter, als der rund 1,4 Tonnen schwere Karoq. Damit scheiden für all diejenigen, die ein bisschen Wert auf Dynamik und Fahrspaß legen, naturgemäß auch die beiden Basis-Triebwerke mit 115 PS aus.

Das heißt im Umkehrschluss aber, dass ein vernünftig motorisierter Karoq derzeit nicht für unter 31.300 Euro zu haben ist. Denn: Auch die Basis-Version lässt noch auf sich warten, aktuell startet der Skoda mit der besseren Ambition-Ausstattung. Wobei besser relativ ist: Klimaautomatik, Sitzheizung, schlüsselloser Zugang, Fernlichtassistent, die praktischen, einzeln verschiebbaren Sitze im Fond, eine elektrisch betätigte Heckklappe, Parksensoren vorn und hinten, Spurhalteassistent und vieles mehr – gibt es. Muss aber auch beim Ambition-Modell noch extra bezahlt werden!

Ähnliches gilt übrigens auch für das Top-Modell Style. Und selbst die höchste Ausstattungslinie fährt beispielsweise noch mit Halogen- statt LED-Scheinwerfern vor. Aber es geht noch dreister: Skoda ersetzt für zugegeben moderate 280 Euro den (immerhin!) serienmäßigen Tempomaten gegen ein System mit automatischer Abstandsregelung zum Vordermann. Nur: Bei 160 km/h quittiert der adaptive Abstandsassistent den Dienst. Wer will, dass die Technik bis Tempo 210 arbeitet, muss nochmal 500 Euro extra einwerfen.

Fotos: Michael Gebhardt, Skoda