#kannmanverwechseln „So stellt sich Mickey Maus die E-Klasse vor“, titelte eine große Automobil-Zeitschrift im Jahr 2003, und zielte damit auf Kias Kulleraugen-Limousine Opirus. Inzwischen zählen Limousinen zum Establishment, wer was auf sich hält, fährt heutzutage ein SUV – das gilt für Menschen, und für Mäuse. Dank des Lynk&Co 01 wissen wir jetzt, wie Mickeys Porsche Macan aussieht.

   München. Unternehmensberatung, Anwaltssozietät oder ein Pharma-Unternehmen? Ganz kalt. Hinter dem sperrigen Namen Lynk&Co verbirgt sich eine brandneue Automarke aus China – mit Entwicklungsabteilung in Schweden. Das klingt verdächtig nach Konkurrenz für Volvo, doch werden die Macher tunlichst darauf achten, dass sich die beiden Hersteller nicht zu sehr in die Quere kommen – schließlich haben sie die gleiche Mutter! Der chinesische Geely-Konzern, größter Autobauer im Reich der Mitte, hat 2010 Volvo übernommen und will nun mit Lynk&Co deutlich jüngere Käufer anlocken.
 car-men-magazin-lynk-co-14
   Natürlich werden die Autos nicht zufällig in Göteburg konstruiert, Lynk&Co profitiert davon gleich doppelt. Zum einen können sie nicht nur Volvos Know-how nutzen sondern auch die technische Plattform, zum anderen bringt Schweden einen Image-Bonus mit sich: Chinesische Autos genießen hierzulande nicht den besten Ruf; man denke nur an Marken wie Brilliance oder Landwind, deren erste Gehversuche auf dem europäischen Markt kläglich gescheitert sind.
   Damit das Lynk&Co nicht passiert, nutzt der erste Wurf die gleiche Basis wie Volvos V40-Nachfolger. Bei der Benennung ihres nun mit großem Tamtam vorgestellten SUV waren die Chinesen allerdings weitaus weniger kreativ als bei ihrem eigenen Namen: Schlicht und einfach 01 heißt der viereinhalb Meter lange Hochbeiner, der – jetzt kommt Mickey Maus ins Spiel – durchaus ein wenig an den Porsche Macan erinnert. An einen Macan aus der Feder eines Disney-Zeichners.
 car-men-magazin-lynk-co-03
   Zugegeben: Es ist vor allem die tiefgezogene Motorhaube zwischen den ausgeprägten Scheinwerfern, an der sich die Ähnlichkeit des als Sport- und City-Modells vorgestellten 01 mit dem Porsche-SUV festmachen lässt. Das restliche, von Ex-Volvo-Designer Peter Horbury entworfene, Blechkleid würden wir weder den Kreativen in Zuffenhausen zutrauen – noch hoffen wir, dass Mickey Maus auf sowas steht. Der ewigbreite Kühlergrill wirkt deplaziert, die Seitenansicht unstimmig, und die Rückleichten klobig. Ob die anvisierte junge, dynamische Zielgruppe darauf abfährt, soll sich schon 2017 zeigen. Dann startet das SUV in China.
 car-men-magazin-lynk-co-05
   Mehr Mitspracherecht als beim Exterieur seiner kleinen Schwester hatte Volvo offenbar im Inneren. Das Cockpit wirkt edel und wer genau hinschaut, erkennt hier und da das ein oder andere Bauteil aus dem Konzernregal. Dass die Instrumente volldigital sind und in der Mittelkonsole ein riesiges Display verbaut ist, ist heute keine Überraschung mehr. Es recht, wenn eine Marke damit wirbt, Konnektivität auf eine neue Stufe heben zu wollen. „Sie hat für uns einen ähnlich hohen Stellenwert wie die Sicherheit für Volvo“, betont Lynk&Co-Chef Alain Visser, der sich übrigens seine Sporen als Automanager unter anderem bei Opel verdient hat. So soll der 01 immer und überall online sein und damit ein Teil der Cloud werden.
 car-men-magazin-lynk-co-07
   Dass ein Auto auch noch einen Motor braucht, dürfte den Chinesen bewusst sein. Anders als über den Namen ihres zweiten geplanten Modells – richtig, 02 – wollen sie über den Antrieb aber noch nicht reden. Einzig, dass es sich um hocheffiziente (ach was!) und elektrifizierte (wie modern!) Verbrennungsmotoren handeln soll, die mit einem Doppelkupplungsgetriebe verheiratet werden. Dass die Triebwerke zumindest für die europäischen Versionen von Volvo stammen könnten, liegt auf der Hand. Wann allerdings der erste 01 über hiesige Straßen rollen wird – und was er kosten soll–, ist noch offen. Schon jetzt steht aber fest, dass es wohl keine klassischen Lynk&Co-Händler geben soll. Den Machern schwebt eher ein Direktvertrieb à la Tesla vor, mit kleinen Markenboutiquen. In denen kann man sich bei einem Glas Reiswein den 01 dann vielleicht auch schön trinken…
Fotos: Hersteller
.