#kannmankaumhören Den alten Porsche Panamera gab’s als Hybrid quasi nur in der Preisliste, und auch der elektrifizierte Cayenne ist kein Kassenschlager. Der neue Porsche Panamera 4 E-Hybrid aber hat tatsächlich das Zeug dazu, in Zuffenhausen das Strom-Zeitalter einzuläuten. Bei unserem Erstkontakt überzeugte der Plug-in mit Kraft, Ruhe und Ausdauer gleichermaßen. 

   Kapstadt/Südafrika. Was laut ist, hat Kraft, und was Kraft hat, ist gut. So oder so ähnlich scheint noch immer die Devise von Kettensägen-Herstellern und Staubsauger-Fabrikanten zu – Achtung! – lauten. Beim Auto dagegen verliert der Klang peu à peu an Stellenwert: Kullerten bei echten Porsche-Fans noch die Tränen, als der lustvoll frotzelnde luftgekühlte Boxer aufs Altenteil geschickt wurde, haben sie den Umstieg auf den akustisch noch zahmeren Turbo-Motor schon deutlich besser verkraftet. Auch die Einführung des Vierzylinders im 718 sorgte eher symbolisch für Empörung, als dass sich wirklich jemand daran gestört hätte.

   Keine Frage, so ein sopran-artig kreischender V12 im Ferrari ist ein Hörgenuss, und das tiefe Bollern eines großvolumigen Achtzylinder, das leicht im Bauch kribbelt, sorgt immer noch für Gänsehaut. Doch ganz ehrlich: Manchmal nerven laute Motoren auch einfach nur. Wer nicht zur Zerstreuung genüsslich durch die Landschaft cruist, sondern einfach nur von A nach B muss, braucht vor oder hinter sich kein stetes Wummern oder Brummen, sondern sehnt sich oft nur nach ein wenig Ruhe. Die gibt’s ab April im neuen Porsche Panamera E-Hybrid.

   Plug-in heißt das Zauberwort, das die Luxuslimousine nicht nur zum lustvollen Sportwagen macht, sondern eben auch lautlosen Gleiter. Wer bei dem Begriff  als erstes an so albern aussehende Vertreter wie den Toyota Prius denkt, der sei beruhigt. Porsches Teilzeitstromer unterscheidet sich nur durch neon-grüne Bremssättel von seinen schicken Brüdern, und sieht damit – ganz ehrlich – sogar noch etwas cooler aus.

   Natürlich kommt so ein Hybrid nicht für jedermann in Frage: Man braucht schon einen Stellplatz mit Steckdose, um den Stromer artgerecht nutzen zu können. Und ja, noch immer muss zum Auftanken das lästige Kabel eingestöpselt werden; das ändert sich erst, wenn das induktive Laden serienreif ist, was hoffentlich nicht mehr all zu lange dauert. Bis dahin verbuchen wir das einfach als notwendiges Übel, um als Early-Adopter die Zeitläufte mitgestalten zu können. Und außerdem entschädigt einen der Porsche mit jedem lautlosen Kavalierstart für die Mühe – und manchmal schmutzigen Hände.

   Mit der Gleichmäßigkeit eines Schweizer Uhrwerks und nur von einem dezenten Surren begleitet, beschleunigt der 100 Kilowatt starke E-Motor den Panamera; erst auf Stadtgeschwindigkeit, dann auf Landstraßentempo und weiter bis auf 140 km/h. Behält man dieses Tempo bei, ist der Akku freilich schnell wieder leer. Wer es aber wie wir bei unserer ersten Ausfahrt rund um Kapstadt nicht drauf anlegt, und neben ein paar kraftvollen Ampelstarts und flinken Überholmanövern auf der Schnellstraße lautlos im Verkehr mitschwimmt und die Ruhe genießt, schafft locker 40 Kilometer, ohne auch nur einmal den Verbrenner anspringen zu hören.

   Für die meisten Wege, ins Büro, zum Kindergarten, zum Geigenunterricht, in die Oper oder zum Dinner ist der E-Modus daher die erste Wahl und sorgt mit seiner Ruhe und souveränen Gelassenheit für Entspannung im hektischen Großstadt-Alltag. Rein rechnerisch reicht der 14 Kilowattstunden große Stromspeicher sogar für 51 Kilometer, dafür muss man allerdings schon ziemlich spaßfrei unterwegs sein und den Elektro-Antrieb nie aus der Reserve locken. Dann könnte man aber auch gleich einen Passat fahren.

   Ist auf längeren Strecken der Vorrat an Elektronen verzehrt, oder pressiert’s ein wenig, springt der 330 PS starke 2,9-Liter-V6 in die Presche. Nicht immer laufen dabei beide Triebwerke zwingend gemeinsam, vielmehr entscheidet der Computer, welcher Motor gerade der bessere ist. Den Wechsel zwischen Benziner und Stromer merkt man kaum, nur wenn man langsam an die Ampel heran rollt, ruckelt’s manchmal ein wenig. Das aber ist den Technikern bekannt, und soll noch vor Auslieferung der ersten Autos behoben werden.

   Allerdings ist der klassische Hybrid-Modus so ziemlich die uncharmanteste Art, Panamera zu fahren. Zum einen ist der stets unterschwellig dröhnende V6 zu laut, um leise zu sein, und zu leise, um laut zu sein. Zum anderen ist der Verbrauchsvorteil gegenüber einem mangels Batterie und E-Technik deutlich leichteren Normal-Panamera mit Sechszylinder nicht sonderlich ausgeprägt. Acht bis zehn Liter laufen locker durch die Benzinleitung.

   Dann kann man es auch gleich richtig Krachen lassen und in den Sport-Modus schalten. Hier sorgen beide Motoren stets zusammen für maximale Kraftentfaltung, der E-Antrieb schiebt von unten heraus mit seinem Drehmoment energisch an, obenrum hat der Otto das Sagen und kann die Leistungskarte ausspielen. In Summe schicken E- und B-Motor 462 PS und dieselgleiche 700 Newtonmeter Drehmoment per Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe an alle vier Räder. Nach nur 4,6 Sekunden streift die ebenfalls neon-grüne Tachonadel die Hundertermarke – genau so schnell wie beim Basis-Elfer – und 278 km/h Top-Speed sollten reichen, um nie mehr zu spät zu einem Date zu kommen. Und wenn der Funke überspringt, kann man dann ja gemeinsam nach Hause stromern.

Fotos: Porsche, Michael Gebhardt