#kannauchanders Nach Jahren der gefälligen Verwechselbarkeit ist VW-Designer Klaus Bischoff über seinen Schatten gesprungen, und fängt nun an, die Autos mit ein paar Schnörkeln zu verzieren. Nach dem Arteon zeigt auch der T-Roc, dass ein Volkswagen richtig schick ein kann // Ausfahrt

Lissabon, Portugal. Das VW-Chefdesigner Klaus Bischoff ein Freund der klaren Kante, der geraden Form ist, ist hinlänglich bekannt. Jede Linie, die keine Funktion hat – so sein Credo – ist überflüssig. Dass an diesem Grundsatz etwas dran sein muss, beweist allein, das zahlreiche Kreative danach Handeln: Versuchen Sie mal, an einem Eames-Chair oder einem USM-Haller-Regal einen unnötigen Schnörkerl zu finden. Wird Ihnen wohl kaum gelingen.

Ähnliches gilt übrigens auch für Texte wie diesen. Es gibt Schlussredakteure, die jedes Adjektiv für eins zuviel erachten, die blumige Metaphern jäten wie das Unkraut im Garten, die verschwurbelte Sätze rigoros entflechten. Und ja, viele Texte werden dadurch knackiger, präziser – aber oftmals auch uniformer. Genau so, wie die Volkswagen-Modelle der vergangenen Jahre. Perfekt durchorganisiert, nach dem Lehrbuch gezeichnet, aber eben auch verwechselbar, uninspiriert, ja manchmal sogar langweilig.

Doch damit ist nun Schluss. VWs emotionalstes SUV, ja vielleicht sogar das aufregendste Modell der Marke überhaupt, soll der neue T-Roc sein. Und die Design-Abteilung hat nicht zu viel versprochen: Verglichen mit Polo, Golf und Co. ist der T-Roc fast schon überbordend mit Deko-Schnörkeln geschmückt. Ein stattlich-breiter Kühlergrill ziert die Front, schicke Tagfahrlichter blicken forsch nach vorn, markante Radhäuser sowie auffällige Schweller und Schürzen deuten die Offroad-Gene an und als Krönung gibt’s auf Wunsch auch noch Zwei-Farb-Lack. Kurzum: Jede Menge Zierrat für einen VW.

Inzwischen findet auch die VW-Kundschaft scheinbar gefallen an diesem etwas verschwenderischen Umgang mit Designelementen, und so dürfte der schicke Anzug dem ab gut 20.000 Euro erhältlichen T-Roc keinesfalls zum Nachteil gereichen. Zumal sich die Experimente großteils auf das Äußere beschränken. Wer in den T-Roc einsteigt – und schonmal in einem VW saß – findet sich hier genauso schnell zu recht wie in einer U-Bahn. Was nicht heißt, dass das Cockpit veraltet sei, ganz im Gegenteil: Gegen Geld sind die aktuellsten High-Tech-Schmankerl aus dem Konzernregal zu haben, wie unter anderem die neuesten Ausbaustufe des Infotainmentsystems oder eine induktive Ladeschale für das Smartphone. Und sogar ein wenig Farbe lässt sich mit bunten Dekoteilen in den Innenraum bringen. Nicht schlecht, Herr Bischoff!

Keinerlei Experimente wagte das Entwicklungsteam dagegen unterm Blech. Der Unterbau stammt aus dem modularen Querbaukasten und vereint den T-Roc mit mehreren Dutzend VW-, Seat-, Skoda- und Audi-Modellen in trauter Technik-Brüderschaft. Das kann man langweilig finden, weil sich alle irgendwie ähnlich fahren; oder gut, weil die Basis inzwischen komplett ausgereift ist. Dementsprechend fühlt sich auch der nur 4,23 Meter lange T-Roc richtig erwachsen an und lässt mit seiner recht straffen Abstimmung eher Dynamiker als Offroad-Fans auf ihre Kosten kommen.

Für den Fall der Fälle, dass man sich doch mal verfahren und vom Asphalt abkommen sollte, ist der Volkswagen aber gerüstet und schlägt sich im leichten Gelände durchaus Tapfer. Zumindest dann, wenn man Allradantrieb hat: Der ist bei den beiden Top-Modellen (Zwei-Liter-Benziner und -Diesel mit jeweils 190 PS) ebenso serienmäßig an Bord, wie das DSG; die mittlere 150-PS-Ausbaustufe kann auf Wunsch mit Allrad und Doppelkupplungsgetriebe bestellt werden, beide Basisversionen mit jeweils 115 PS müssen mit Frontantrieb und Sechsgang-Handschaltung vorlieb nehmen. Nachteil des Allradantriebs: Das zusätzliche Differenzial an der Hinterachse reduziert den Gepäckraum von ordentlichen 445 auf nurmehr 392 Liter!

Reduziert wurde übrigens auch unter der Haube, und zwar vor allem die Fertigungs-Kosten: Nicht nur, dass die Motorhaube wieder ganz altmodisch mit Haltestab fixiert werden muss; auch am Dämmmaterial wurde, wahrscheinlich mit Blick auf die vom Dieselskandal gebeutelten Bücher, gespart. Das merkt man vor allem, wenn man mit dem Top-Diesel unterwegs ist, der ziemlich laut rumpelt – und trotz seiner 400 Newtonmeter gar nicht mal so spritzig wirkt, wie man meinen könnte. Deutlich harmonischer zeigt sich da der große Otto, der bei meiner ersten Ausfahrt die sanft geschwungene Küstenstraße westlich von Lissabon flott und leichtfüßig nahm.

Fotos: Michael Gebhardt, VW