#kanneinemschmecken Eben lag noch der Geruch von Grillwürstchen in der Luft, doch bald schon steigt uns wieder Glühweinduft in die Nase: Die Weihnachtsmarkt-Saison kommt mit großen Schritten näher. Dann lädt auch Dresden wieder zum traditionellen Striezelmarkt. Doch das Elbflorenz bietet auch abseits von Zuckerbrot und Mandelkern jede Menge Sehenswertes. Und mit dem Gewandhaus Hotel eine großartige Herberge mit eigenem Kuchen Atelier und mehr // Hotel

   Dresden. Gewandhaus, ist das nicht dieser altehrwürdige Konzertsaal in Leipzig? Na klar, doch auch gut einhundert Kilometer weiter östlich gibt es ein Gewandhaus. In Dresden allerdings streicht kein weltberühmtes Orchester die Saiten und schmettert auch keine Operndiva schrille Arien. In der sächsischen Hauptstadt lässt sich im Gewandhaus Hotel dafür vortrefflich übernachten – und äußerst schmackhaft Schlemmen. Im Parterre des herrschaftlichen Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert mit der gelb-weißen Fassade, das direkt hinter der Kreuzkirche liegt, ist nämlich das Kuchen Atelier untergebracht. Das klingt nach Kunst und Handarbeit, nach Exklusivität und was ganz besonders Feinem. Und genau das findet man dort.

   Kalorienbomben aller erster Sahne warten nur darauf, dass den Besuchern des kleinen Cafés das Wasser im Mund zusammen läuft. Dafür sorgt schon allein die großartige Aufmachung: Das edle Gebäck wartet nicht in einer Neonröhren-erhellten Vitrine darauf, dass sich einer seiner erbarmt und die Diätvorsätze fast schon aus Mitleid über Bord wirft. Nein, hier, im vom Pariser Architekturbüro Studio Catoir entworfenen Atelier, trappiert man Kuchen und Kekse in leger-luxuriöser Retroatmosphäre adrett auf fruchtig-rötlich getünchten Stehlen. Wie Diamanten beim Edel-Juwelier warten die Backwaren unter Glashauben auf die Kundschaft, gut geschützt vor dem lüsternen Zugriff zügelloser Schleckermäuler.

  Gezaubert werden die lukullischen Verlockungen von Chef- Patissier Dirk Günther in der gläsernen Backmanufaktur des Ateliers. Das Angebot reicht von hochstapelnden Torten und traditionellen Blechkuchen, über Macarons und Financiers bis zum Dresdner Klassiker schlechthin: Die Eierschecke. Die darf in einem Café im Herzen der Stadt freilich nicht fehlen: So fühlen sich echte Elbflorenzer gleich wie zuhause und die Kundschaft von auswärts lernt lokale Köstlichkeiten kennen. Hotelgäste und Einheimische gehen im Kuchen Atelier schließlich gleichermaßen ein und aus.

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   Gleiches gilt übrigens auch für die ebenfalls im Hotel angesiedelte Meatery, ein Steakrestaurant der Spitzenklasse mit eigenem Reifeschrank für Dry-Aged-Rindfleisch. Wem es nach alle den süßen Verlockungen im Kuchen Atelier nach etwas herzhaftem gelüstet, der braucht nur ein paar Schritte durch die Empfangshalle mit übergroßen Sitzgelegenheiten zu gehen. Im luftigen Atrium liegt der Eingang zum Restaurant, das nicht nur am Abend mit perfekt gebratenem Filet und feinen Weinen lockt, sondern auch am Morgen die Hotelgäste zum Frühstücken einlädt. Egal ob früh oder spät, hier hat man nicht nur die Qual der Wahl in Sachen Speis und Trank, sonder auch beim Sitzplatz: Verkriecht man sich lieber in dem etwas schummrigen Innenraum, oder nimmt gleich in einem der ausladenden Sessel auf dem großzügigen Patio unter der Glaskuppel Platz, die den einstigen Innenhof überspannt.

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   Wenn man mit dem Essen fertig ist, und sich auch an den zahlreichen Sehenswürdigkeiten der sächsischen Hauptstadt satt gesehen hat, lässt sich die Zeit zwischen Dinner und Frühstück wunderbar in einem der gemütlichen Zimmer des Hotels verbringen. Von der Standard-Kategorie bis zur Suite hält das Gewandhaus rund einhundert Schlafstätten bereit. Damit ist das Hotel groß genug, um erstklassigen Service bieten zu können, aber gerade noch nicht so überdimensioniert, dass die persönliche Note dem Standard-Charme der üblichen Hotelketten weichen musste. Zwar sind die Dresdner Mitglied der Seaside-Gruppe und haben sich auch der Luxus-Sparte der Mariott-Hotels, Autograph Collection, angeschlossen. Das gewisse Extra eines Boutiquehotels aber haben sie sich bewahrt – beziehungsweise neu geschaffen: Bis vor seinem Umbau im Jahr 2015 war das Gewandhaus nämlich noch Teil der großen Radisson-Familie.

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   Anders als das stilistisch ausgetüftelte Kuchen Atelier oder die opulent gestaltete Lobby sind die Zimmer auf eine nicht unangenehme Weise schlicht und klassisch gehalten. Man kommt rein, und fühlt sich wohl. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Kein großes Ah und Oh, dafür aber muss man auch im Bad nicht erst eine Anleitung studieren, um den von irgendeinem selbstverliebten Stardesigner entworfenen Wasserhahn bedienen zu können. Oder sich des nächtens mit der Haus-Elektrik vertraut machen, nur weil man restlos alle Lichter löschen will. Stattdessen warme Farben und angenehme Materialien, eine funktionierte Kaffeemaschine und – ganz wichtig – ein bequemes Bett.

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   Gibt’s denn gar nichts, was uns stört? Ganz ehrlich: Nach nur einer Nacht im Gewandhaus – nein. Ok, der zweifelsohne schnuckelige Wellnessbereich könnte vielleicht etwas größer sein. Mit einem liebevoll angelegten Pool, Sauna und Dampfbad bietet er aber alles, was man während eines Citytrips zum Entspannen braucht. Nur eins würden wir ändern, wenn wir könnten: Die Öffnungszeiten des Kuchen Ateliers. Das lädt nämlich nur von Donnerstag bis Sonntag zum Schlemmen ein. Mit selbstkritischem Blick auf die Körperfett-Waage ist das aber vielleicht auch gar nicht so schlecht…

Info: Das Kuchen Atelier hat Donnerstag bis Sonntag von 13 bis 18 Uhr geöffnet, die Meatery täglich ab 18 Uhr. Die Zimmer im Gewandhaus Hotel kosten je nach Saison und Kategorie zwischen 135 und rund 385 Euro. Das Frühstücksbuffet steht mit 22 Euro auf der Rechnung.

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