#kannmansichschmeckenlassen Mini vermischt den geräumigen Clubman mit dem kräftigen John-Cooper-Works-Motor und stimmt das ganze mit dem Allradantrieb ab – fertig ist der stärkste Kleinwagen-Kombi auf dem Markt. Der Leckerbissen im Erstkontakt!       

   Sölden. Welcher Hobbykoch kennt das nicht: Man nimmt zwei, drei Sachen aus dem Kühlschrank, wirft sie in einem Topf zusammen, würzt noch etwas und schon steht eine oftmals überraschend leckere Mahlzeit auf dem Tisch. So oder so ähnlich agieren häufig auch die Ingenieure in den Entwicklunsküchen der Automobilhersteller. Schau mal, hier ist noch ein Clubman übrig, könnte es zum Beispiel bei Mini geheißen haben. Und da, ein John-Cooper-Works-Motor: Das passt doch bestimmt gut zusammen!

   Kurzum hat Mini beide Ingredienzien vermengt, und siehe da, das Ergebnis ist durchaus delikat. Heraus kam ein potenter, kleiner Kombi, der weder Transportaufgaben noch die eilige Kurvenhatz scheut. Damit das ganze noch ein wenig besser schmeckt, haben sich die Techniker kurzerhand noch aus dem automobilen Gewürzregal den Allradantrieb gegriffen und den Clubman John Cooper Works damit pikant abgeschmeckt.

   Dass das neueste Gericht auf der Mini-Karte die Geschmacks-Knospen nun nicht völlig kalt erwischt, ist klar. Wenn man ein Stück Fleisch in die Pfanne legt und mit ein bisschen Gemüse garniert, weiß man auch ungefähr, was dabei rauskommen wird; auf jeden Fall kein Schlemmerfilet à la Bordelaise. Doch sind es oft die kleinen, feinen Nuancen, die sanft den Gaumen kitzeln und die Zunge umspielen, die den Unterschied ausmachen. Und die machen es manchmal sogar einzigartig.

   Das ist auch der englischen BMW-Tochter gelungen, die mit dem 231 PS starken Clubman nicht weniger als den stärksten Kleinwagen-Kombi auf dem Markt anbietet. Seat Ibiza ST, Renault Clio Grandtour oder Skoda Fabia Combi können da nicht mithalten. Allerdings dürften die auf der Shoppinglist der Clubman-Kunden ohnehin nur selten auftauchen. Wer sich für den Flügeltürer interessiert, den gelüstet es in der Regel schon eher nach einem Leckerbissen denn nach Fast-Food.

   Schön angerichtet und mit einer neuen Sonderlackierung verziert steht der Clubman JCW also da, und wartet darauf, verkostet zu werden. Schon der erste Bissen mundet hervorragend: Der kleine Turbo-Vierzylinder legt sich mächtig ins Zeug und beweist im Sportmodus richtig Temperament. Aus dem Auspuff schmatzt und frotzelt es und im Null-komma-Nichts – oder besser Sechs-komma-Drei – zeigt der Tacho 100 km/h.

   Damit ist der Clubman genau so schnell auf Landstraßentempo wie der dreitürige John Cooper Works. Abseits des Standardsprints wird allerdings deutlich, das Omas alte Küchenregel – „Fett ist ein Geschmacksträger“ – nicht immer stimmt. Gegenüber dem normalen Mini hat der Kombi gut 300 Kilogramm mehr auf den Rippen, und die fallen sprichwörtlich ins Gewicht: Spontane Zwischensprints wollen dem Clubman einfach nicht ganz so leicht von der Hand gehen und auch bei der Vmax (238 km/h) machen sich die Kalorien ein wenig bemerkbar.

   Auf die Quer-Dynamik haben die Speckröllchen zum Glück kaum Einfluss, hier trifft der Clubman genau den typischen Mini-Geschmack. Die direkte Lenkung und der straffe Unterbau sorgen für höchste Kurvenpäzision. und dank des Allrads ist auch der bittere Beigeschmack der bei den frontgetriebenen JCW-Modellen oftmals überforderten Vorderachse verschwunden.

   Mühelos übertragen die serienmäßigen 18-Zöller die 350 Newtonmeter Drehmoment auf den Asphalt, erlauben auch auf rutschigem Untergrund wunderschöne Kavalierstarts und ziehen den Kombi wie auf Schienen aus der Kurve – einfach lecker. Nur im Abgang schwächelt der Mini ein wenig: Die extra verbaute, kräftigere Brembo-Bremsanlage dürfte ruhig noch etwas schärfer sein.

   Wie bei Tisch gilt auch beim Autofahren: Zu jeder feinen Mahlzeit gehört ein guter Tropfen. Im Falle des John Cooper Works also feinstes Super-Benzin (Jahrgang egal), und davon nicht wenig. 7,4 Liter steht im Verkaufsprospekt, kalkulieren sollte man aber eher mit zweistelligem Durst. Es sei denn, man wählt aus den drei Fahrmodi den Öko-Betrieb: Dann hat man zwar vielleicht eine reelle Chance, in die Nähe des Normverbrauchs zu kommen, allerdings verschwindet damit auch schlagartig sämtliche Würze aus dem Clubman. Und dafür bestellt nun  wirklich niemand das 35.800 Euro teure Sterne-Menü.

Fotos: Mini