#kannmanmögen Schon mal ein Einhorn von innen gesehen? Oder ein geflügeltes Pferd? Wir auch nicht. Der britische Künstler Damien Hirst aber hat sich überlegt, wie es wohl in den Fabelwesen aussehen mag. Und es dann von der Porzellan Manufaktur Nymphenburg bauen lassen // Kunst

   München. Myth heißt die Einhorn-Skulptur, die den Hirnwindungen des 1965 im britischen Bristol geborenen Damien Hirst entsprungen ist. Wir wissen nicht, was der Junge in seiner Jugend im Südwesten Englands erlebt hat, oder ob er schlichtweg zu oft Quincy schaute. Irgendwas aber muss passiert sein, was in ihm die Lust am Fleisch geweckt haben. Warum sonst sollte man eine ein Einhorn, von Haus aus eines der zauberhaftesten Wesen schlecht hin, enthäutet darstellen.

   Also zumindest eine Seite davon, die andere erstrahlt in reinstem Weiß. Gleiches gilt auch für die zweite Figur, die der Engländer ersann: Legend, ein geflügeltes Pferd: Von der einen Seite rein wie ein erwachender Morgen, erblickt man auf der anderen die Innenreien. Zwar nur angedeutet, mit ein paar Rippen, Sehnen und roter Farbe. Aber schaurig genug.

   Fast könnte man meinen, Hirst wollte dem guten Gunther von Hagens Konkurrenz machen, der in seinen Körperwelten-Ausstellungen auch Einblicke gewährt, die sprichwörtlich unter die Haut gehen. Will er aber bestimmt nicht, wahrscheinlich kennt er den Mann mit Hut gar nicht. Vielmehr stecke dahinter eine „kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Themen Wissenschaft und Religion“, sagt der Künstler. „Ein mythologisches Wesen zu sezieren und zu zeigen, dass es sich in nichts von einem sterblichen Pferd unterscheidet, ist trotzdem irgendwie magisch.“

   Wir stellten fest: Irgendwas muss in Bristol passiert sein, damit jemand solche Gedanken hegt. Wir könnten uns jetzt drüber auslassen, woher der gute Herr Hirst denn so genau weiß, wie es in einem Einhorn ausschaut. Oder in einem Flügelpferd. Hat er etwa schon eins über die grünen Wiesen der Grafschaft galoppieren sehen? Wahrscheinlich eher nicht. Aber sei’s drum. Damien Hirst hat sich das Innenleben des Fabelwesen ausgedacht, und die Porzellan Manufaktur Nymphenburg hat’s gebaut. Und das wie bei allen Figuren aus dem Münchner Westen mit höchster Präzision und liebe zum Detail.

   Zwei Jahre lang hat es gedauert, bis die Fabelwesen das Licht der Welt erblickten. Allein für das Gießen, Retuschieren und Ausarbeiten der charakteristischen Züge benötigten die Porzellan-Profis um Chef-Produktentwicklerin Ingrid Harding und Figurenmeister Toni Hörl mehrere Wochen. Erst dann konnte Eveline Ehrlich zum Pinsel greifen und die sieben eigens entwickelten, leuchtenden Rot-, Rosé- und Gelbtöne auftragen.

   Gefertigt sind die guten Stücke aus mehreren Einzelteilen, zehn beim Einhorn; der geflügelte Gaul besteht sogar aus elf. Und die Porzellanhandwerker  haben mitgedacht: Damit das gute Stück beim Transport nicht kaputt geht, und man sein wahres Innenleben erspähen kann, kann man ihm die überlangen Flügel sogar abnehmen. Dieser Mechanismus macht Legend übrigens zu einer der komplexesten Figuren, die Nymphenburg je gerfertigt hat – wahrlich fabelhaft eben.

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