#kannmanfürvielgeldhaben Es ist die Königsklasse des Marketings, denjenigen, die schon alles haben, trotzdem noch etwas außergewöhnliches anbieten zu können. Mercedes-Maybach beherrscht diese Disziplin perfekt, wie das S 650 Cabriolet bei seiner Premiere auf der Los Angeles Auto Show zeigt.

   Beverly Hills/USA. Der Premierenort hätte nicht besser gewählt sein können. Hier in Beverly Hills, wo sich tagtäglich Stars und Sternchen verlieben, heiraten und wieder scheiden lassen, schlägt Daimler ein weiteres Kapitel in der ebenfalls turbulenten Beziehung zwischen Mercedes und Maybach auf.

   Kennengelernt haben die beiden sich schon in den 60ern, doch so richtig was anzufangen wusste der Stuttgarter Konzern mit der schönen Tochter nicht. Vierzig Jahre lang ließ er Maybach warten, um sich dann plötzlich halsüberkopf in ein tollkühnes Liebesabenteuer zu stürzen – dem mehrere Kinder entsprungen sind.

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   Die großen Pläne, die die Eltern für ihren Nachwuchs ersonnen haben, entpuppten sich indessen – wie so oft – als Luftschlösser: Maybach 57 und 62 sollten Bentley und Rolls-Royce das Leben schwer machen. Doch die Rechnung haben sie ohne die Kundschaft gemacht, die schnell merkte, dass die Gene des Vaters eindeutig dominant waren, und man ihnen für teuer Geld eine aufgeplusterte S-Klasse unterjubeln wollte. Noch dazu ein nicht ganz taufrische: Der 2002 vorgestellten Maybach-Limousine diente noch der altehrwürdige 140er als Basis, mit dem schon Helmut Kohl vorm Bundestag vorgefahren war.

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   Zehn Jahre blieb man sich treu, der Kinder wegen. 2010 aber war der Nachwuchs aus dem Gröbsten raus, und Mercedes ergriff die Chance, die Beziehung alimentefrei auf Eis zu legen. Madame Maybach verschwand wieder in der Versenkung, doch: Alte Liebe, so sagt der Volksmund, rostet nicht. Und so flirteten die beiden immer mal wieder heimlich miteinander, bis sie schließlich 2014 ihr Comeback als Traumpaar der Automobilbranche vermeldeten.

   Die Trennung auf Zeit hat beiden gut getan, anstatt sich gleich wieder in einer engen Bindung zu verirren, leben die beiden in wilder Ehe zusammen, und die Maybach kümmert sich hinreißend um die Sprösslinge des Liebhabers – als Stilberaterin. Ein äußerst geschickter Marketing-Schachzug: Statt den Käufern wie einst vorzugaukeln, Maybach-Fahrzeuge wären etwas ganz eigenständiges, steht die Marke inzwischen offen dazu, „nur“ die Top-Top-Top-Ausstattung der Mercedes-Modelle zu sein.

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   Maybach ist nun also das AMG der Luxuswelt und firmiert dementsprechend mittlerweile auch als Sub-Brand. So, wie es einen besonders sportlichen Mercedes-AMG S 63 gibt, steht nun eben auch ein überbordend luxuriöser Mercedes-Maybach S 600 beim Händler – für diejenigen Kunden, die eigentlich schon alles haben, und denen die Standard-S-Klasse zu profan erscheint. Was aber tun, wenn die Kundschaft nun auch schon die Maybach-Limousine, natürlich nebst Fahrer, in der Garage stehen hat?

   Mercedes hat seit kurzem eine Lösung parat: Ein Nobel-Cabriolet, mit dem die feinen Herren am Sonntag, wenn der Chauffeur mal frei hat, selbst zum Golfplatz fahren können! Die Kundschaft, die für den offenen Nobelschlitten in Frage kommt, wohnt nicht in Arabien (zu heiß) oder China (zu viel Smog), sondern hier in Kalifornien. Zwischen Santa Barbara und La Jolla herrschen ganzjährig hervorragende Cabrio-Temperaturen. Und an spendierfreudigem Geldadel mangelt es rund um Los Angeles ohnehin nicht.

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   Auch wenn Maybach nicht mehr als eigenes Modell sondern als Top-Version auftritt, hat sich an der einstigen Politik, viel Geld für wenig Neues zu verlangen, nicht viel geändert. Mindestens 300.000 Euro muss man auf den Tisch legen, um eines der Mercedes-Maybach S 650 Cabriolets in die Auffahrt stellen zu können. Dafür sind dann aber auch sämtliche Sonderausstattungen der S-Klasse Serie. Doch damit nicht genug: Einen eigens angefertigten Schlüsselanhänger und ein exklusives Taschen-Set gibt’s obendrein! Die je zwei großen Weekender und Lifestyletaschen sind aus dem Fahrzeugleder gefertigt und passen perfekt in den Kofferraum.

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   Das allein aber macht natürlich noch keinen Maybach aus: Von der Stangenware unterscheidet sich das Luxus-Modell durch deutlich mehr Glitzer-Chrom, riesige Räder, eine ganz besondere Leder-Steppung sowie einen edlen Holzdeckel für den Verdeckkasten. Und natürlich gibt es Maybach-Logos rundum. Macht man die Tür auf, wird das Doppel-M sogar auf die Straße gemalt. Antriebstechnisch sahen die Marketing-Experten dagegen keinen Bedarf, nachzulegen: Die 630 PS des aus dem Hause AMG stammenden Zwölfzylinders müssen reichen, um auch vornehmstes Haar ordentlich zu zerzausen.

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   Was sich Mercedes so teuer bezahlen lässt, ist also weniger das Auto selbst, als die Tatsache, dass es nicht viele davon geben wird. Nur 300 Mal will Maybach das Cabriolet bauen, und die, da kann man sich sicher sein, werden schnell ausverkauft sein. Schließlich greifen die Schönen und Reichen, auf der Suche nach Neid und Anerkennung, nach jedem goldenen Strohhalm, der sich ihnen bietet, um sich doch einen bisschen von den anderen abzuheben zu können. Und sei es auch nur durch ein paar neue Logos.

Fotos: Hersteller

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