#kannüberallhin Der tiefe Sand der Pink Coral Dunes, unwegsame Felslandschaften westlich des Lake Powell oder einfach nur die holprige Schotter-Piste zwischen Arizona und Utah – die Gegend rund um Zion-, Bryce- und Grand-Canyon scheint wie gemacht für die erste Runde mit dem neuen Land Rover Discovery. Anders als ihre Vorgänger macht die fünfte Generation aber auch auf dem festen Asphalt eine gute Figur – und hat ein paar Highlights für Digital Natives an Bord // Ausfahrt

   St. George, Utah/USA. Wer was auf sich hält, sitzt heutzutage erhöht und fährt mit Cayenne und Co. souverän vor Kindergarten, Golfplatz und Opernhaus vor. Land Rover Fahrer aber sind immer noch etwas besonderes. Sie stehen auf richtiges Abenteuer, auf Sand unter den Rädern und Matsch auf der Windschutzscheibe. Auf Wege, wo gar keine Wege sind.

Statt Chi-Chi und Chromdekor wollen Sie viel Böschungswinkel und vielleicht eine Seilwinde, und der Innenraum soll bitte nicht mit Plüsch-Teppichen ausgelegt sein, sondern mit abwaschbaren Gummi-Fußmatten. Das haben auch die Markenverantwortlichen erkannt und vor einiger Zeit ihr Produktportfolio aufgespalten – in die Range-Rover-Modelle mit Designer-Anzug für den Boulevard, und die robusten Land Rover für die Pampa.

   Doch auch der hartgesottenste Landy-Fahrer kommt irgendwann in der Neuzeit an und will zumindest den Weg zum Abenteuer etwas kommoder zurücklegen. Zumal den Traum von endloser Freiheit auch die meisten Discovery-Fahrer inzwischen tagtäglich im Büro träumen, und nicht unter dem sternenklaren Himmel der Wüste Utahs. Kurzum, im Lastenheft für die nunmehr fünfte Auflage des Klassikers stand vor allem eins: Bessere Onroad-Fähigkeiten und mehr Komfort.

Alle Puristen, denen jetzt schon der Puls in die Höhe geht und die bereits den Hashtag #dasgehtdochnicht gezückt haben, seien aber beruhigt. Natürlich hat auch der neue Disco nichts von seiner Offroadfähigkeit verloren, schließlich musste auch er den hauseigenen Eignungstest rund um das schottische Eastnor Castle bestehen, der wohl die meisten sogenannten Geländewagen anderer Hersteller in die Knie zwingen würde!

   Im Gegenteil: Die Bodenfreiheit ist nochmal größer geworden, wenn Steine und Felsen den Landy am Bauch kitzeln wollen, müssen sich schon mindestens 28,3 Zentimeter hoch sein; dann stellt sich ihnen aber noch ein massiver Unterfahrschutz in den Weg. Auch Ausflüge durch das Nichtschwimmerbecken im örtlichen Freibad meistert der Disco mit nunmehr 90 Zentimeter Wattiefe souverän, und mit 34 Grad Böschungswinkel vorne (30 Grad hinten) erklimmt er Steigungen, die man sich nicht unbedingt zu Fuß zumuten will.

Dass dem Disco kaum ein Weg zu unwegsam ist, darf man also getrost erwarten. Mit welcher Leichtigkeit der große Brite sich aber durchs Gelände schlägt, ist beeindruckend. Das Terrain-Response-System kontrolliert Allrad-Antrieb, Achtgang-Automatik, Gaspedalkennlinie und die einzelnen Differenzialsperren und reagiert in Sekundenbruchteilen, wenn sich der Untergrund ändert.

   Vom Highway No. 89 biegen wir ab auf eine buckelige Schotterpiste, von dort geht es weiter in deutlich mehr als knöcheltiefem Sand, der sich mehrere Meilen lang immer wieder mit der Geröllhalte eines ausgetrockneten Flussbetts abwechselt – öffentliche Straßen, nennt der Amerikaner das, und gibt der Strecke sogar einen Namen: Kayenda Road. Warum wir das so genau wissen? Weil wir Zeit hatten, die atemberaubende Gegend zu bestaunen – der Fahrer muss nämlich nichts anderes machen, als zu fahren. Den Rest erledigt souverän die Technik.

Besagte Kayenda Road führt uns mitten ins Nirgendwo, wo ein wohlhabender Hotelier das Amangiri Resort rund um mehrere Millionen Jahre alten Felsen gebaut hat. Und genau die nutzen wir noch für einen Abstecher, oder besser gesagt: Für eine kleine Kletterpartie. Solche Ausflüge abseits des Alltags-Geländegangs kann man dem Discovery im Voraus mitteilen, also alle Offroad-Systeme schonmal vorspannen und in eine Hab-acht-Stellung versetzt.

   Die Luftfeder legt den Land Rover Tastendruck per Tastendruck maximal hoch und die Geländeuntersetzung sorgt für ausreichend Kraft bei niedrigem Tempo – schon steht dem Hardcore-Einsatz nichts mehr im Weg. Aber natürlich hilft der Disco auch hier so gut es geht mit: Die Elektronik übernimmt auf Wunsch bei niedrigem Tempo Gasgeben und Bremsen und schiebt den Koloss langsam aber stetig über Stock und Stein, während der Fahrer sich allein aufs Lenken konzentriert – oder auf dem Info-Display die Stellung der Räder oder die Kippneigung des Fahrzeugs anschaut. Sogar die Wassertiefe könnte man bei Flussdurchfahrten ablesen!

   Irgendwann aber endet auch das schönste Abenteuer wieder in einer Teerstraße. Doch hier beginnt ja das eigentlich Revolutionäre des neuen Discovery. Nicht nur, dass er mit seinem neuen Blechkleid deutlich schnieker aussieht, als sein kantiger Vorgänger. Er fährt sich auch nahezu so kommod wie ein BMW X5, Mercedes GLS oder Porsche Cayenne – vielleicht nicht ganz so dynamisch, aber doch spürbar agiler als sein Vorgänger. Das liegt vor allem an der Diät, die ihm die Ingenieure verordnet haben: 480 Kilogramm mussten runter, also gut zwanzig Prozent der ursprünglichen Masse.

Eine halbe Tonne ist nur ein Fünftel? Richtig gelesen. Und auch nach der Rosskur wiegt der Land Rover mit Reiter immer noch gut 2,1 Tonnen. Packt man den 258 PS starken 3,0-Liter-Sechszylinder-Diesel unter die Haube und die dritte Sitzreihe mit zwei Extra-Plätzen, Rear-Seat-Entertainment, das große Infotainment-System, Massagefunktion, Head-up-Display und, und, und rein, schnellt die Masse gut und gern wieder um die gesparten 500 Kilogramm nach oben. Aber trotzdem: Nummer Fünf fährt sich deutlich leichtfüßiger als bisher, wirkt spritziger, reagiert spontaner und neigt sich merklich weniger in die Kurve.

   Auch das ganze Wohfühl-Programm wurde auf ein neues Niveau gehoben: Der seidenweiche Sechszylinder-Klang dringt nur ganz unauffällig in den Innenraum, das Cockpit ist – abgesehen von den etwas antiquierten Rundinstrumenten mit winzigem Bordcomputer – modern, das Infotainment-Display riesig. Ein Traum sind die zahlreichen Ablagen, im Mitteltunnel gibt es zum Beispiel ein tiefes Fach, das gefühlt bis kurz vors Getriebe reicht und sogar hinter dem Bedienteil für die Klimaanlage ist noch Stauraum.

   Und Land Rover hat an all die Digital Natives gedacht, die Unterwegs wahlweise Laptop und Smartphone oder Satelliten-Telefon und GPS-Gerät laden müssen: Nicht weniger als neun USB-Anschlüsse und sechs 12-Volt-Steckdosen sind verbaut – Mann kann eben nie genügend Strom für sein Spielsachen haben. Außerdem kommt auch der neue Disco mit dem Activity-Key – ein Armband, mit dem der Wagen verschlossen und wieder geöffnet werden kann; falls man unterwegs einen einsamen See findet und beim Baden nicht weiß, wohin mit dem Schlüssel. Und für alle Technik-Nerds gibt’s noch ein ganz besonderes Schmankerl: Die elektrisch aufklapp- und versenkbaren Sitze sechs und sieben können per App gesteuert werden.

Fotos: Land Rover/Video: Michael Gebhardt