#kannmanhintensitzen Der Engländer liebt seine Landpartien – aber bitte mit Stil: Während unsereins am Wandertag die ältesten Stiefel raussucht, greift der gepflegte Brite zu den rahmengenähten Tricker’s Stiefeln, die ein halbes Monatsgehalt gekostet haben, und statt funktionaler Jack-Wolfskin-Kleidung wird schnell der Tweet-Anzug übergezogen. Jetzt braucht’s nur noch das passende Gefährt: Wem der Defender zu unbequem und der Range Rover doch zu teuer ist (die Schuhe!), der kann ab sofort mit dem neuen Mini Countryman zur Fahrt ins Blaue aufbrechen – inklusive eingebauter Picknickbank // Ausfahrt

   Oxford/Großbritannien. Zugegeben, die Idee ist nicht ganz neu, und mit den beiden aus dem Kofferraum ausklappbaren Ledersesseln eines Range Rovers kann der Mini nicht mithalten. Doch immerhin verstecken die Entwickler im Kofferraumboden, wenn man 120 Euro extra zahlt, ein kleines Polster, das im Handumdrehen über die Ladekante geklappt ist und gleichzeitig die Heckschürze vor Kratzern und das Beinkleid vor Schmutz schützt. So lässt sich zu zweit gemütlich der Sonnenuntergang genießen und im Kofferraum hinter einem ist mehr als genug Platz für Schnabulierereien und Getränke – nur einen Kühlschrank bietet Mini noch nicht an.

   Der kann dafür, spielt man mal Umzugshelfer, problemlos mit dem neuen Countryman transportiert werden, schließlich ist der Geländegänger um gut 20 Zentimeter gewachsen und misst nun stolze 4,30 Meter. Mini ist das nicht mehr, das weiß auch der zuständige BMW-Vorstand Schwarzenbauer, doch soll mit der Längenexpansion jetzt erstmal Schluss sein. Zumindest, bis in rund sieben Jahren der nächste Countryman nochmal eine Schippe drauf legt, aber das ist Zukunftsmusik.

Und: Die Größe bringt ja auch Vorteile mit. Zum ersten Mal können vier Erwachsene problemlos in einem Mini sitzen und auch mit schwedischem Gardemaß reist Mann im Fond des Engländers noch bequem. Das Platzangebot ist aber auch schon alles, was den Countryman innen von seinen kleineren Brüdern unterscheidet; das Cockpit kennen wir aus Drei- und Fünftürer, Cabrio und Clubman, und auch der Leuchtring um die große Küchenwaagen-Anzeige in der Mittelkonsole ist freilich kein Novum mehr. Schön anzusehen ist das Farbspiel trotzdem: Unter anderem kann die bunte Anzeige als Drehzahlmesser dienen. Noch cooler aber sind die in die Verkleidung eingearbeiteten Leuchtstreifen, die unter anderem die Türverkleidung erstrahlen lassen.

   Neu ist, zumindest ein bisschen, der Country-Timer: Er misst die Zeit, die der Mini auf unebenen Strecken unterwegs ist. Allerdings ist das auch nicht mehr als eine nette Spielerei, die es schon beim Cabriolet gibt, und dort die Stunden zählt, in der die Sonne ohne störendes Stoffdach in den Innenraum scheinen darf.

Ob die Stoppuhr im Alltag viel zu tun hat, sei dahingestellt. Wer will, kann aber mit dem Mini auch mal Ausflüge abseits des planen Asphalts wagen. Wobei wir hier eben über typisch englische Picknick-Destinationen reden – also sanfte Hügel, Kleewiesen und Farmland. Da könnte man natürlich mit jedem anderen Mini auch hin, aber, genau, nicht so stilvoll. Wer dagegen von vornherein weiß, dass er nie den festen Boden unter den Rädern verlassen wird, braucht den Allradantrieb nicht unbedingt anzukreuzen, der kostet nämlich immer Aufpreis.

   Das gesparte Geld kann man direkt in einen stärkeren Motor investieren: Zur Zeit stehen je zwei Diesel und Benziner bereit, wobei selbst das 29.900 Euro teure Top-Modell Cooper S mit 192 PS nicht gerade übermotorisiert wirkt. Sorgt der Vierzylinder im normalen Mini doch für reichlich Schwung und Fahrspaß, setzen ihm die gut 1,5 Tonnen die der Countryman leer auf die Waage bringt doch spürbar zu. Und wer mit zwei Kumpels zur Landpartie aufbricht, kann inklusive Gepäck nochmal rund 200 Kilogramm dazu addieren.

Die werden zwar trotzdem noch ihren Spaß haben, schließlich schafft es der Cooper S in gut sieben Sekunden auf Tempo 100 und läuft 222 km/h; so spritzig wie sein leichterer Bruder wirkt er dabei aber nicht. Abhilfe schaffen da ab Juni der John-Cooper-Works Countryman, der mit 231 PS nochmal merklich mehr Wumms verspricht, und der Plug-in-Hybrid. Ihm macht der 65-kW-E-Motor Beine und schubst ihn in 6,8 Sekunden auf Landstraßentempo.

   Rein elektrisch sollen damit 125 km/h machbar sein, maximal reicht der Akku für gut 40 Kilometer. Das der Verbrauch von nur 2,1 Litern ein Märchenwert ist, brauchen wir nicht zu erwähnen. Doch dürfte er Doppelherz-Countryman schon deutlich sparsamer sein als der Cooper S. Der ließ beim Erstkontakt laut Bordcomputer schlanke zehn Liter durch die Benzinleitung rauschen.

Fotos: Mini, Video: Mini/Holger Preiss