#kannmanspüren Einfach nur ein gutes Auto zu bauen, das mag bei den Kleinwagen und vielleicht auch noch in der Kompaktklasse ausreichen, um genügend Käufer zu finden. Wer aber in der Premiumliga mitspielen will, muss nicht nur ein Fahrzeug anbieten, sondern ein Lebensgefühl: Bei Mercedes kauft man noch heute ein bisschen Bonner Republik mit, bei Audi die Liebe zur technischen Präzision und jeder BMW-Fahrer erwirbt auch eine sportliche Attitude. Und Volvo-Kunden? Klar, die bekommen ein Stück Schweden mitgeliefert // Reise

   Åre/Schweden. Für Kinder ist die Sache klar: Schweden, das sind rothaarige Mädchen, mit Affe und Pferd; kleine Jungs, die auf dem Rücken von Wildgänsen reisen oder allerlei Unfug machen; und natürlich dicke Hunde, die Bootsmann heißen. Wenn wir erwachsen werden, ändert sich diese Vorstellung. In unsere Phantasie spielen nicht mehr Saltkrokan und Lönneberga die Hauptrolle, sondern Billy, Pax und Köttbullar. Und spätestens wenn wir Anfangen, das Goldene Blatt zu lesen, denken wir bei Schweden an die schöne Frau Sommerlath aus Heidelberg, die wir als Königin nach Skandinavien entsandt haben, und deren wöchentlich abgedruckte Familienfotos uns regelmäßig in postmonarchischer Sehnsucht schwelgen lassen.

   Um auf der Image-Welle der deutschen Premiumhersteller mitreiten zu können, reichen ein paar Lausbuben-Geschichten, Faltmöbel und Krönchen-Fotos allerdings nicht, das weiß auch Volvo. Deshalb hat sich der Autobauer etwas neues einfallen lassen, und will unter dem Motto „Get away“ seine ganz eigene Vorstellung schwedischer Lebensart verkaufen. Und damit die auch jeder richtig versteht, hat Volvo gleich das ganz große Marketing-Besteck ausgepackt, und ist unter die Hoteliers gegangen – zumindest zeitweise. In Åre, gut eine Autostunde von Östersund entfernt, hat sich der Hersteller ein Häuschen gemietet, wie es typischer nicht sein könnte, und in dem ausgewählte Kunden das Volvo-Feeling pur erleben können. Auch wir haben uns mit einem Volvo V90 Cross Country auf den Weg dorthin gemacht.

   Vom Flughafen in Östersund lotst uns das Navi über immer kleiner werdende Straßen in die selbst um diese Jahreszeit noch schneeweiße schwedische Pampa. Dass Åre das größte Skigebiet des Landes sein soll, merkt man nicht. Es geht deutlich ruhiger zu als in Ischgl, Lech oder Kitzbühel. Straßenlampen sucht man hier oben ebenfalls vergeben, nur das Licht der Scheinwerfer durchschneidet die finstere Nacht. Bis plötzlich die hell erleuchtete Nobel-Datsche wie aus dem Nichts auftaucht, und uns schon beim ersten Anblick in Entzücken versetzt. Das braunrot-weiß gestrichene Holzhaus sieht genau so aus, wie wir uns Schweden vorstellen.

   Vor der Haustür empfängt uns ein loderndes Lagerfeuer, innen knistern Holzscheide im Kamin; es riecht nach Fichtenholz und frischem Kaffee. Schon beim ersten Rundgang merkt man: Hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. Mit Geschick und Herzblut haben es die Einrichter geschafft, eine klare, kühle, und dennoch urgemütliche Atmosphäre zu schaffen. Umnebelt von soviel skandinavischem Ambiente sinken wir in das tiefe Polster des schweren Leder-Canapés und merken, was Volvo uns sagen will: Auch wenn der Volvo V90 keinen Kaminofen, keinen Lammfellvorleger und keinen Holzfußboden, so haben es die Designer trotzdem geschafft, dieses heimelige Gefühl ins Auto zu bringen.

   Wie in der Holzhütte braucht es weder eine überkandidelte Ausstattung, noch hier und da Chrom-Chichi im Überfluss, sondern nur die richtigen Akzente an den richtigen Stellen. So soll jede Fahrt mit dem großen Kombi zum Ausflug in die eigene, private Get-Away-Lodge werden – egal, ob man von München nach Stockholm fährt, oder nur mal ums Eck zum Bäcker. Während wir noch über das bequeme Gestühl des Volvos nachdenken, fallen wir erschöpft und zufrieden in das weiche Bett der richtigen Lodge.

   Damit das Schweden-Gefühl nicht nachlässt gibt’s zum Frühstück erstmal Zimtschnecken, bevor wir uns mit dem V90 aufmachen, die Landschaft zu erkunden. Schließlich muss Schweden doch noch mehr sein, als ein gemütliches Wohnzimmer. Unser erstes Ziel: Die Hundeschlitten-Station Wild Spirit Bushcraft, noch abgelegener im Nirgendwo gelegen als unser Hüttchen, aber kaum zu überhören.

Die an die einhundert Huskys machen schon von weitem lautstark auf sich aufmerksam und begrüßen uns mit Gebell und Schwanzwedeln. Richard, der menschliche Chef des Rudels, hat alle Hände voll zu tun, die Horde in Zaum zu halten. Die Wolf-ähnlichen Hunde wollen raus in die Natur, wollen Arbeiten, zeigen, was in Ihnen steckt – dabei wirken sie doch ziemlich schlaksig. Nichts scheint den Vierbeinern zu schwer zu sein, den großen Schlitten samt Passagier, Fahrer und Gepäck ziehen sie mit erstaunlicher Leichtigkeit. „Die sind wie euer Volvo“, schmunzelt Richard: „Unverwüstlich und unaufhaltsam.“

   Wie recht er damit hat, merken wir, als wir unsere Fahrt zu einem der größten Wasserfälle Schwedens fortsetzen. Eine halbe Autostunde außerhalb von Åre stürzen sich tosende Wassermassen rund vierzig, fünfzig Meter tief in eine Schlucht und bilden gerade im Winter, wenn sich an den Ufern des Flusses dickes Eis bildet, ein beeindruckendes Schauspiel – doch der Weg dahin ist alles andere als einfach. Denn kurz nachdem wir die Schlittenhunde wieder ihre Arbeit haben verrichten lassen, weicht das sonnige Winterwonderland-Wetter heftigem Schneefall, der Scheibenwischer und Allradantrieb alles abverlangt. Aber: Wer mit den Huskys bellen will, darf sich davon nicht abschrecken lassen. Und so marschiert der V90 ohne mit der Wimper zu zucken durch das Getöse und bringt uns sicher zum Wasserfall und zurück.

   Wir haben also gelernt: Schweden, das ist Wohnlichkeit ohne übertrieben Schnick-Schnack. Und Robustheit, der Wind und Wetter nichts anhaben können. Was in unserer Bilderbuch-Idylle aber noch fehlt, ist diese typisch-skandinavische Coolness, dieser mondäne Schick, ohne aufgebrezelt zu sein. Statt auf Königin Silvia zu setzen, sucht sich Volvo lieber seine eigene Demonstration skandinavischer Stilsicherheit. Und zwar im Swartklubben, einem Pop-Up-Restaurant in Åre, das nur für persönlich geladene Gäste geöffnet hat.

   Der „Schwarzklub“ ist ein Ableger des nördlichsten Sterne-Restaurants der Welt, das außerhalb Åres idyllisch an einem See seine Gäste empfängt, und richtet sich an die IT-Girls und -Boys der mittelschwedischen Gesellschaft. Hier sind sie also, die Schönen und Reichen, die bessern Leute, und die, die meinen dazu zu gehören. Wie gut, dass man uns das vorher gesagt hat, denn wer glitzernde Prada-Kleider und auf Hochglanz polierte Lackschuhe sucht, wird nicht fündig. Das schlichte schwarze H&M-Kleid tut’s hier genauso, wie der Strickpulli zur nicht mehr ganz neuen Jeans. Genauso hält es auch der Volvo V90: Ohne große Schnörkel, ohne ausgeprägte Lichtkanten, ohne überkandideltes Chromdekor haben die Designer einfach ein schönes Auto geschaffen. Oder besser gesagt: Sie haben Schweden auf vier Räder gepackt.


Galerie

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Fotos: Michael Gebhardt