#kanngutbrüllen Zehn Jahre hat das Maserati GranCabrio auf dem schicken Stoffdach-Buckel, da kann man schon mal über ein Facelift nachdenken. Wer allerdings hofft, das Bella Macchina damit zum aktuellen Stand der Technik aufschließt, wartet vergebens. Immerhin: Seinen größten Trumpf – den Klang – hat er behalten, wie er uns lautstark demonstriert hat // Ausfahrt

   Lago d’Iseo, Italien. Bella Italia! Seit jeher Sehnsuchtsort der Deutschen und Heimat zahlreicher automobilen Wunschträume. Ferrari, Alfa Romeo, Lancia und Maserati, klangvolle Namen, die runtergehen wie Tiramisu. Doch die italienische National-Nachspeise ist bekanntlich leicht verderblich, und auch die Autoindustrie südlich des Brenners hat einen Großteil ihres Glanzes verloren. Lancia existiert quasi nicht mehr, Alfa zögert Neuheiten immer weiter hinaus und Maserati hat mit Ghibli und Levante einen Großteil seiner Markenidentität verraten. Vorbei die Zeit des Dolce Vita? Nicht ganz: Zumindest Maseratis Flaggschiffe Quattroporte und GranTurismo sind noch echte Hingucker. Doch vor allem der letztgenannte hinkt der Zeit mittlerweile deutlich hinterher – trotz Auffrischung.

Drei Pfunde konnten GranTurismo und das zugehörige Cabrio bisher in die Waagschale werfen, und das bleibt auch mit dem aktuellen Facelift so: Kraft, Sound und Design. Letzteres ist zwar inzwischen schon Sage und Schreibe zehn Jahre alt, aber, Respekt!, immer noch zum Niederknien und mit Sicherheit Verkaufsargument Nummer eins. Damit sich daran auch zukünftig nichts ändert, haben die italienischen Blechschneider die noch erstaunlich straff sitzende Außenhaut kaum angefasst. Ein neuer Diffusor am Heck, eine neue Schürze an der Front und – ganz wichtig – dreidimensionale Markenschriftzüge in den Scheinwerfern. Da sind sie bei Maserati genau so stolz drauf, wie auf die 16 zur Wahl stehenden Lacke und die bunten Bremssättel. Ist ja auch nicht selbstverständlich, dass man ein mindestens 143.000 Euro teures Cabrio in seiner Wunschfarbe bekommt…

   Trumpf Nummer zwei und drei gehen quasi Hand in Hand, denn dort, wo die Kraft herkommt, sitzt auch die Klangquelle – unter der übergroßen Haube. Nachwievor schlummert hier ein bei Ferrari in Modena gebauter Achtzylinder und zwar der letzte seiner Art. Der 4,7-Liter-Block darf nämlich noch frei atmen! Allein das Wort Saugmotor klingt in den Ohren vieler Autoliebhaber wie Musik, doch wie so oft entpuppt sich der romantische Blick auf die Vergangenheit bei genauerer Betrachtung als ein wenig verklärt. Ja, der Sauger ist an Gleichmäßigkeit kaum zu übertreffen, und für den Klang, vom tiefen Grummeln bis zum kernigen Knurren, würde manch einer seine Rolling-Stones-Tickets verschenken.

   Aber wir sind nunmal seit einigen Jahren Turbo-verwöhnt – oder vielleicht sogar -versaut? – und wenn die Kraft nicht bei 2.000 Touren Gewähr bei Fuß steht, werden wir ungeduldig. Bis der V8 im GranCabrio seine Wohlfühldrehzahl jenseits der Viereinhalbtausender-Marke erreicht, muss man allerdings schon ordentlich aufs Gaspedal treten. Im Sportbetrieb geht es zugegeben etwas schneller, und sogar der famose Klang legt nochmal zu, vom Forte zum Fortissimo. Doch in Summe bleibt der Achtender ein kleiner Lausbub, den die Mamma zweimal rufen muss, ehe er zum Essen kommt. Der Hunger, den er dann allerdings mitbringt, hat’s in sich. Weniger als 14 Liter laufen nur selten durch die Benzinleitung, mehr dagegen ohne Probleme.

Wer sich daran stört – am Verbrauch und am nicht ganz so reaktionsfreudigen Triebwerk – ist beim Maserati-Händler aber sowieso fehl am Platz: Wer Spritsparen will, kauft besser einen BMW i8, und wer aufs Kurvenräubern aus ist, greift lieber bei Porsche zu; dort gibt’s auch deutlich gefühlvollere Lenkungen und verbindlichere Fahrwerksabstimmungen. Bleibt also die Gattung der gemütlichen Cruiser, für die das GranCabrio durchaus eine Erfüllung sein kann. Wer mit dem Italiener auf der Münchner Maximilianstraße kräftig Gas gibt und den V8 brüllen lässt, dürfte deutlich mehr Blicke auf sich ziehen, als all die Elfer, M6 oder S-Klasse-Cabrios von AMG. Und zum Glück kann man jetzt auch vor dem Lieblings-Nobel-Italiener mitten in der City problemlos einparken: Mit dem Facelift hält nämlich eine Rückfahrkamera Einzug.


Galerie

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Fotos: Maserati