#kannmananschauen Stararchitektin Zaha Hadid hat am Südtiroler Kronplatz ein mehr als spektakuläres Museum in den Fels gehauen, und Reinhold Messner hat es mit dem Opel Vivaro mit Leben gefüllt. CarMen war mit dem Hausherren auf dem Gipfel.

   Olang/Italien. Sanft schaukelt die Gondel am Seil, die uns vom Südtiroler Ort Olang im gemächlichen Tempo hinauf zum Kronplatz bringt. Eigentlich wollten wir von der Mittelstation aus die restlichen Kilometer zu Fuß gehen, doch das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Im Tal hatte es nur leicht genieselt, doch hier oben, auf rund 2.000 Metern Höhe scheint es, als wolle Petrus seine neue Gardena-Gartendusche auf Herz und Nieren prüfen. Wir bleiben also sitzen, und fahren weiter. Ohnehin sind die Gespräche in der Gondel gerade zu spannend, um auszusteigen: Denn statt mit Wandertouristen im kompletten Jack-Wolfskin-Outfit oder Hardcore-Mountain-Bikern, die sich waghalsig den Hang hinunterstürzen wollen, schaukeln wir mit Reinhold Messner den Berg hinauf.

   Richtig, der Reinhold Messner. Der Bezwinger der höchsten Berge, der auf den Gipfeln dieser Welt nicht nur ein paar seiner Zehen verloren hat, sondern auch als erster – und wahrscheinlich bislang auch einziger – dem Yeti begegnet ist. Inzwischen turnt der Mit-Siebziger nicht mehr auf den Achttausendern rum sondern kümmert sich, nach einem Ausflug in die Europa-Politik, verstärkt um seine Heimatregion, der er das Messner Mountain Museums geschenkt hat. Hier auf dem Kronplatz will uns der immer noch frisch und fit wirkende Gipfelstürmer die jüngste Dependance seines Museums zeigen. Ihren Ursprung hat die Ausstellung in Schloss Sigmundskron bei Bozen. Doch um das museale Basislager haben sich inzwischen fünf weitere Standorte gefunden, an denen der Bergfex zu verschiedenen Themen Auskunft gibt. „Wer sagen will, er habe mein Museum besucht, der muss alle sechs Standorte gesehen haben“ betont der Kraxelkönig selbstbewusst.

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   Jede Abteilung widmet sich einem andern Schwerpunkt, hier auf dem Kronplatz zeigt Messner seit 2015 Gemälde, Plastiken und Devotionalien der Bergsteigerwelt – von einem Eispickel aus seinem eigenen Fundus, über den Hammer von Paul Preuß bis hin zum „Goldenen Schritt“ – ein goldgefärbter Wanderschuh von Ursula Huber, der Messner viel bedeutet. „Der Stiefel drückt aus, dass man im Leben immer wieder aufs neue den ersten Schritt wagen muss, wenn man etwas erreichen will“, sagt Messner mit bedächtiger Stimme und wirkt schon fast melancholisch als er philosophiert, dass die Umsetzung von Ideen, der einzige Weg zu einem gelingenden Leben sei. Schon im nächsten Augenblick aber ist er wieder mit Feuereifer dabei, eine weitere Geschichte aus seinem reichen Leben preis zu geben. Denn egal ob Wanderstiefel, moderne Malerei, Hakensammlung oder Gips-Skulptur: Messner, der alle Exponate im Winter selbst mit einem Opel Vivaro über die verschneite Bergstraße hinauf zum Museum gebracht hat, weiß zu jedem Ausstellungsstück etwas zu berichten.

   Der besagte Hammer zum Beispiel, den hatte Paul Preuß immer nur zur Sicherheit dabei – einen Haken in die Wand zu schlagen war für den geistigen Vater des Freikletterns nämlich tabu. Wo der Mensch ohne Hilfsmittel nicht hinauf kommt, hat er auch nichts verloren, war seine Devise, die er zur Jahrhundertwende in einem Artikel vertrat. Messner selbst griff in den Sechzigern diese Theorie auf und verfasste ebenfalls eine Abhandlung, die einer Dame – eine frühere Bekanntschaft des „Paulis“, die inzwischen weit in den 90ern war – in die Hände fiel. Eben jene Dame nahm Kontakt zu Messner auf und vermachte ihm diesen einen Hammer – mit der Bitte, ihn öffentlich auszustellen.

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Wer sich mit Messner in sein Museum begibt, kann hier Stunden verbringen, und erfährt eine spannende Geschichte nach der anderen. Doch jenseits der vielen Exponate biete das Museum noch mehr. Das Gebäude selbst ist nämlich schon Kunst genug: Von der Stararchitektin Zaha Hadid geschaffen und wegen der nur kurzen, frostfreien Zeit auf dem Kronplatz erst nach drei Jahren fertiggestellt, fügt sich der drei Millionen Euro teure, betongraue Komplex – den übrigens die örtlichen Seilbahnbetreiber und nicht etwa Messner finanziert haben – in den Berg ein, als wäre er schon immer da gewesen. Durch einen schlichten Eingang betritt man das Museum am Gipfel, dass sich dann mehrere Etagen hinab, quasi in den Fels hinein, erstreckt. Vom Eingang sieht man durch Fenster ins Tal hinab, und je weiter die Besucher in das Gebäude mit seinen schrägen, schlichten Betonmauern vordringen, desto deutlicher erschließen sich die Berge über den Tälern. Bis man schließlich, ganz unten angelangt, hinauf zu den Gipfeln blicken kann. Vorausgesetzt natürlich, der Wettergott spielt mit – ansonsten sieht man nur einen nebelgrauen Vorhang. Doch Reinhold Messner, ganz Markenbotschafter für seine Heimatregion, weiß auch hier einen Rat: „Da müsst ihr halt einfach nochmal kommen!“

Weitere Informationen zum Messner Mountain Museum gibt es im Internet unter:
http://www.messner-mountain-museum.it
Das Museum auf dem Kronplatz hat vom 1. Sonntag im Juni bis zum 2. Sonntag im Oktober und von Ende November bis Mitte April (entsprechend den Öffnungszeiten der Seilbahnen) geöffnet; von 10–16 Uhr. Der Eintritt kostet 8 Euro. Mit der Gondel kann man von Olang oder Bruneck bis vor die Tür fahren, oder man packt die Wanderstiefel ein und macht sich zu Fuß auf den Weg.