#kannmanauchseinlassen St. Andrews gilt als die Wiege des Golfsports, und es gibt kaum einen passionierten Spieler, der dort nicht einmal abschlagen möchte. Das allerdings ist gar nicht so einfach. Lohnt sich der Aufwand?

   St. Andrews/Schottland. Fällt im heimischen Clubhaus der Name St. Andrews, werden die Jungs von der U-18-Mannschaft ganz ehrfürchtig und die alten Hasen, erzählen Horrorgeschichten. Sie haben natürlich schon dort gespielt, aber was für ein Aufwand das doch war: Ein Jahr vorher muss man reservieren, dann wird einem eine Kalenderwoche zugewiesen und in der muss man nahezu komplett vor Ort sein, denn die genaue Tee-Time erfährt man erst kurz zuvor – und dann regnet’s da auch noch.

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   Mag sein, dass da ein wenig Golferlatein dabei ist. Aber einfach ist es sicher nicht, eine Startzeit auf dem Old Course zu ergattern, wo angeblich schon im 15. Jahrhundert eingelocht wurde und der nicht zu unrecht als The Home of Golf gilt. Aber ist es denn auch all die Mühe wert? Wer den Platz nur aus dem Fernsehen kennt, sagt sofort ja: Vom Abschlag blickt man auf die idyllische, schottische Hügellandschaft, auf der einen Seite braust sanft das Meer und auf den Back Nine kommt einem das altehrwürdige Royal and Ancient House immer näher, bis man schließlich auf dem 18. Grün direkt vor der Terrasse zum letzten Birdie-Putt ansetzt.

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   In Wahrheit aber ist die Szenerie weit weniger pittoresk: Mit dem Auto sind es gut anderthalb Stunden vom Flughafen Edinburgh in Richtung Nordosten, erst über die Autobahn, dann durch kleine, verschlafene Örtchen, in denen selbst die Fish-and-Chips-Bude um 13.30 Uhr schließt. Kurz bevor das Land ins Meer übergeht erreicht man St. Andrews, und vorbei ist es mit der Ruhe. Touristen schieben sich durch den mittelalterlich angehauchten Ort, rund um den ersten Abschlag und das letzte Grün herrscht ein Treiben wie auf dem Bazar und das kleine Clubhaus wirkt neben der geparkten Reisebus-Kolonne auch nicht mehr ganz so herrschaftlich wie in den TV-Bildern.

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   Zugegeben, wer von den british-höflichen Startern am Tee 1 aufgerufen wurde und unter den Blicken der Schaulustigen seinen ersten Drive mit Mühe und Not einigermaßen gerade auf dem Fairway platziert hat, der entfernt sich mit jedem Schlag etwas weiter vom Trubel, und spätestens dort, wo der Old Cours parallel zum Eden Course läuft, lässt die Hektik nach und man kann sich auf die super-schnellen Grüns, den aus wechselnden Richtungen, aber immer stark wehenden Wind und die tatsächlich atemberaubend schöne Landschaft konzentrieren.

   Dass allerdings kann man auch auf den sechs weiteren Plätzen des St. Andrews Links, auf denen eine Startzeit etwas einfacher zu bekommen ist als auf dem Old Course. Oder einfach auf einem der zahlreichen kleinen, wunderschön gelegenen Golfplätze, die sich über das ganze Land verteilen. Dort ist es sicher fast genauso schön, aber deutlich entspannter – und wahrscheinlich auch günstiger. Nur einen ganz großen Haken haben diese Plätze: Sie sind halt nicht St. Andrews.

Fotos: St. Andrews Links.