#kannmanoffenfahren Ein SUV ohne Dach? Gab’s mal von Nissan, war aber nicht schön. Jetzt macht es Land Rover besser und schickt den Range Rover Evoque als Cabrio ins Rennen. Der Erstkontakt mit dem Oben-Ohne-Offroader.

   Courchevel/Frankreich.Die Autofrage hat schon manche Ehe an den Rand einer Krise gebracht. Er träumt seit langem von einem Cabrio, sie will unbedingt höher sitzen. Damit soll, wenn es nach Land Rover geht, Schluss sein. Mit dem Range Rover Evoque Cabriolet bringen die Briten ein offenes SUV, und hoffen auf deutlich mehr Erfolg, als ihn das skurrile Nissan Murano Cabrio hatte, das schnell wieder mit Rücksicht auf den guten Geschmack eingestellt wurde. Der Evoque dagegen macht auch als Cabrio keine schlechte Figur.

   Wenn das derzeit größte Stoffverdeck auf dem Markt sich nach rund 20 Sekunden Knöpfchendrücken hinter den Rücksitzen verstaut hat, wirkt der Landy, als sei ein SUV-Cabrio das selbstverständlichste auf der Welt. Geschlossen verliert er etwas von seinem Charme, aber gut, irgendwie müssen Ledersessel und Passagiere vor Regen geschützt werden. Egal ob auf oder zu, in den Kofferraum gehen jeweils 251 Liter Gepäck. Das reicht für zwei Handgepäcksköfferchen, mit der Getränkekiste wird es aber eng. Die stellt man besser auf der Rückbank ab, wo niemand freiwillig sitzen will. Noch besser aber, man montiert über den Fondplätzen das optionale Windschott. Dann zieht es vorne kaum und es lässt sich auch bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt problemlos offen fahren.

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   Motorenseitig hat Land Rover drei Zwei-Liter-Motoren für das ab 4. Juni beim Händler wartende Evoque Cabrio im Angebot. Weder der Benziner mit 240 PS noch der 150 PS starke Diesel spielen eine Rolle, rund 85 Prozent der Käufer werden sich für die 180-PS-Ausbaustufe des Selbstzünders entscheiden. Der kostet mit 54.100 Euro zwar fast 3.000 Euro mehr als sein kleiner Bruder, doch Geld ist für die angepeilte Klientel nicht das Hauptargument. Sie entscheidet sich lieber für 430 Newtonmeter Drehmoment, die dem Zwei-Tonner bei 1.750 Umdrehungen ordentlichen ins Kreuz treten. Richtig gehört: Das Cabrio wiegt ob mannigfaltiger Karosserieverstärkungen rund 300 Kilogramm mehr als die geschlossenen Varianten. Anders wäre die nötige Verwindungssteifigkeit nicht zu erzielen gewesen, und die braucht der offene Evoque, um im Gelände mithalten zu können. Da fährt zwar niemand hin, aber ein echter Land Rover muss das eben können.

   Profitieren kann man davon auch auf der Straße, wo der Brite nahezu zitterfrei über alle Unebenheiten hinweg rollt. Ausgesprochene Cabrio-Sportlichkeit legt er allerdings nicht an den Tag, lieber hält er sich an das Cruiser-Image eines SUVs. Dazu passt auch die serienmäßige Neungang-Automatik, die hin und wieder etwas länger überlegt, welcher Gang nun die Übersetzung der Wahl ist; vor allem beim Rausbeschleunigen aus der Kurve dürfte der Automat flotter arbeiten. Dafür glänzt das Cabrio auf dem Papier mit einem Verbrauch von nur 5,7 Liter auf 100 Kilometer, in deren Nähe man zumindest bei gelassener Gangart durchaus kommen kann.

   Dass Land Rover die in Deutschland angepeilten 1.000 Einheiten pro Jahr los wird, daran besteht kein Zweifel; wahrscheinlich werden es sogar mehr. Schon der normale Evoque geht schließlich weg wie warme Semmeln, und das Cabrio vermag nicht nur drohende Scheidungskriege abzuwenden, sondern ist ein Muss für alle Early Adopters – also diejenigen, die immer alles Neue als erste haben wollen. Oder frei nach Ferdinand Porsche: Ein Auto, dass keiner braucht, aber jeder will.

Range Rover Evoque Cabriolet TD4 180 PS

  • Hubraum 1999 ccm
  • Leistung 180 PS bei 4000/min
  • Drehm. 430 Nm bei 1750/min
  • Länge/B./H. 4,37/1,98/1,61 m
  • Leergewicht/Zul. 1967/508 kg
  • Kofferraum 251 l
  • Anhängelast gebr. 1500 kg
  • 0–100 km/h 10,3 Sek.
  • Top-Tempo 195 km/h
  • Normverbrauch 5,7 l Diesel
  • CO2-Ausstoß 149 g/km
  • Energieeffizienzklasse A
  • Preis ab 54.100 Euro