#kannvierleutemitnehmen Es gibt wenig schönere Autos als den Porsche 911. Das Problem: Er hat nur zwei veritable Sitze. Abhilfe schafft der neue Panamera, der vor allem von hinten dem Porsche-Ideal verdammt nahe kommt.

   München. Männer lieben Porsche. Und solange weder Hund noch Kind ihren  Platz im Wagen einfordern, ist die Welt in Ordnung. Aber wehe, die beiden Sitze im 911er reichen nicht mehr aus. Dann hat man die Wahl zwischen zwei SUV, Cayenne und Macan, die aber, Hochbeiner-Boom hin oder her, nicht jedermanns Sache sind, und einer etwas schrägen Limousine, die sich zwar deutlich von S-Klasse und Co. abhebt, mit ihrem eigenwilligen Buckel aber auch nicht allen gefällt. Doch keine Panik, jetzt wird alle gut: Nun steht die zweite Generation des Panamera beim Händler und die wartet mit deutlich mehr Porsche-Genen auf als ihr Vorgänger.

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   Klar, die extravagante Optik hat sich die Fünf-Meter-Limousine bewahrt, und das ist auch gut so. Aber der Hintern des Viersitzers ist sichtbar knackiger geworden, sieht jetzt deutlich mehr nach Elfer aus, und es ist nicht sicher, ob Lieschen Müller die beiden in der Rückansicht noch unterscheiden kann. Die geschärfte Front mit der stärker konturierten Motorhaube und scharfen Vier-Augen-LED-Lichtern wird sie dagegen nur selten zu Gesicht bekommen, denn unter 422 PS ist kein Panamera zu haben, und keiner braucht länger als 4,3 Sekunden, um auf der Landstraße zu schnell zu fahren.   

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   Drei Triebwerke bieten die Zuffenhausener zunächst an, alle gekoppelt an eine Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe und nur in Verbindung mit Allradantrieb. Los geht’s mit sechs Zylindern im Panamera 4S, der schon zum Schnäppchenpreis von 113.027 Euro auf seinen neuen Fahrer wartet. Den nur 2,9 Liter großen Motor haben die Ingenieure ausgepresst, wie die Abramowitsch ihren Gatten bei der Scheidung. 440 PS haben sie herausgeholt und 550 Newtonmeter Drehmoment, die bei 1.750 Umdrehungen über die Kurbelwelle herfallen, wie Cindy aus Marzahn über das Sahnetörtchen. Damit steckt im 4S eigentlich schon mehr Motor, als überhaupt irgendjemand brauchen könnte – wer muss schließlich schneller als 289 km/h fahren? Doch natürlich ist das noch nicht das Ende der Fahnenstange: Turbo heißt die Ausbaustufe, die vielen Männern Tränen ins Gesicht und eine große Lücke ins Bankkonto treibt: 153.011 Euro werden fällig, will man tiefbollernde 550 V8-PS sein Eigen nennen und mit bis zu 306 Sachen so manchen Sportwagen auf die Plätze verweisen.

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   Doch weder 4S noch Turbo haben CarMen bei der ersten Ausfahrt am meisten beeindruckt, sondern – der Diesel. Jawohl! War der bisherige Sechszylinder-Selbstzünder etwas schwach auf der Brust und eher eine Kompromisslösung für Vielfahrer, steht mit dem ebenfalls doppelt aufgeladenen Vierliter-V8 jetzt ein wahrhaftiger Sport-Diesel zur Verfügung. Der Motor ist kein unbekannter, Audi befeuert damit den SQ7, bei dem sogar noch eine dritte Aufladung mittels elektrischem Verdichter nachhilft. Den könnte Porsche zwar auch betreiben, da dass dafür nötige 48-Volt-Stromnetz an Bord ist, aber zum einen wiegt der gut zwei Tonnen schwere Panamera rund 200 Kilogramm weniger als Audis Dickschiff, und zum anderen ist unter der flachen Motorhaube auch so gut wie kein Platz mehr für ein Extra-Bauteil. Aber Verdichter hin oder her: 422 PS reichen allemal für Fahrspaß vom Feinsten, zumal hier 850 Newtonmeter dem Fahrer schon bei extrem niedrigen 1000 Touren mit Nachdruck ins Kreuz treten und die Hundertermarke nach 4,3 Sekunden reisen. Noch beeindruckender: Kurze Zwischensprints und Überholvorgänge. Wer erst Gas gibt und dann auf die linke Spur zieht, rauscht schnell dem Vordermann hinten rein! Dass er obenrum etwas die Lust verliert und die 285 km/h Spitze ein wenig Anlauf brauchen, sei ihm verziehen, schließlich revanchiert er sich mit einem Normverbrauch von 6,7 Litern je 100 km – dem in der Praxis deutlich näher zu kommen ist, als dem Phantasiewert von 9,3 Litern für den Turbo.

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   Der beste Motor aber nützt nichts, wenn das Fahrwerk der Leistung nicht gewachsen ist. Deshalb haben die Entwickler auch hier alle Register gezogen: Die aktive Wankstabilisierung, die auch das 48-Volt-Netz nutzt, vermag auch in den flottesten Kurven Seitenneigung fast gänzlich zu verhindern; die neue Drei-Kammer-Luftfederung erlaubt eine Spagat zwischen Komfort- und Sportmodus, auf den jedes Funkenmariechen stolz wäre, und die superdirekte Allradlenkung lässt den Panamera Kaninchen-gleich Haken schlagen. Die Grenze zwischen Sportwagen und Limousine scheint der neue Panamera aufzuweichen, mal ist er der komfortable Gleiter, mal die Hardcore-Fahrmaschine.

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   Was er auf jeden Fall ist: ein rollender Computer. Zig Gigabyte an Daten werden in einem Oberklasse-Auto minütlich erzeugt, auch im Panamera. Unter anderem blickt zum Beispiel der neue adaptive Tempomat mit InnoDrive-System drei Kilometer voraus, und erkennt dank Navidaten und Sensorik den Straßenverlauf und ob vielleicht hinter der nächsten Kurve ein Ortsschild lauert. Daran passt er dann das Tempo an, und gibt gar nicht erst wieder Vollgas, wenn er weiß, dass er eh gleich bremsen muss. Außerdem kommt im Panamera Porsches neues Infotainmentsystem zum Einsatz, mit einem riesigen Touchscreen und weniger Tasten auf dem Mitteltunnel – die sind dafür wie unter Glas und wer einen Putzfimmel hat, sollte nicht genau hinschauen: Hier sieht man jeden Fingerabdruck.   

Technische Daten

  • Maße (L/B/H): 5,05/1,94/1,42 Meter
  • Radstand: 2,95 Meter
  • Kofferraum: 495–1304 Liter
  • Leergewicht: 1335 kg

Panamera 4S, 2,9-Liter-V6-Biturbo

  • Leistung: 324 kW/440 PS bei 5650–6600 U/min
  • Drehmoment: 550  Nm bei 1750-5500 U/min
  • Getriebe: Achtgang-Doppelkupplung-Getriebe
  • Kraftübertragung: Allradantrieb
  • 0-100 km/h: 4,2 s
  • 0-200 km/h: 15,9 s
  • Vmax: 289 km/h
  • Verbrauch: 8,1 Liter Benzin
  • CO2-Ausstoß: 184 g/km
  • Effizienzklasse: C
  • Preis: ab 113.027 Euro

Panamera Turbo, 4,0-Liter-V8-Biturbo

  • Leistung: 404 kW/550 PS bei 5750–6000 U/min
  • Drehmoment: 770  Nm bei 1960-4500 U/min
  • Getriebe: Achtgang-Doppelkupplungs-Getriebe
  • Kraftübertragung: Allradantrieb
  • 0-100 km/h: 3,6 s
  • 0–200 km/g: 12,7 s
  • Vmax: 306 km/h
  • Verbrauch: 9,3 Liter Benzin
  • CO2-Ausstoß: 212 g/km
  • Effizienzklasse: D
  • Preis: ab 153.011 Euro

Panamera 4S Diesel, 4,0-Liter-V8-Biturbo-Diesel

  • Leistung: 310 kW/422 PS bei 3500–5000 U/min
  • Drehmoment: 850  Nm bei 1000-3250 U/min
  • Getriebe: Achtgang-Doppelkupplungs-Getriebe
  • Kraftübertragung: Allradantrieb
  • 0-100 km/h: 4,3 s
  • 0–200 km/g: 17,1 s
  • Vmax: 285 km/h
  • Verbrauch: 6,7 Liter Diesel
  • CO2-Ausstoß: 176 g/km
  • Effizienzklasse: B
  • Preis: ab 116.954 Euro