#besserspätalsnie Eigentlich war Opel ganz früh dabei, im SUV-Markt. 2006, noch vor VW Tiguan, BMW X1 und Co. stellten die Rüsselheimer den Antara in die Schauräume. Die allerdings hat der etwas missglückte Chevrolet-Umbau nur selten wieder verlassen, und während die Mitbewerber einen Hochbeiner nach dem anderen auf den Markt warfen, schaute Opel in die Röhre. Erst seit 2012 der Mokka kam, greifen die Hessen wieder am, im Duell um die Kunden. Mit französischer Schützenhilfe ist die SUV-Familie inzwischen auf drei Mitglieder angewachsen: Zum jetzt Mokka X genannten Allradler gesellte sich erst der Crossland X, und seit kurzem ist auch der Grandland X im Angebot // #15002

Body Dass unter dem Grandland-X-Blechkleid französische Technik steckt, sieht man nicht – tut sie aber, die Plattform teilt er sich mit Peugeot 3008, DS 7 Crossback und weiteren PSA-Modellen.  Die Rüsselsheimer Designer aber haben sich alle Mühe gegeben, sämtliche Peugeot-Gesichtszüge wegzuschminken und haben eine Karosserie geschneidert, die typisch Opel ist. Nicht wirklich aufregend, kein Meinungs-Spalter, aber durch und durch gefällig. Mehr noch: Auch innen wurde jeglicher Hauch von Savoir-Vivre davon geweht, und hessische Bodenständigkeit hat Einzug gehalten: Wer schon einmal in einem Opel saß, findet sich auch im Grandland X schnell zurecht. Apropos sitzen: Das geht in dem nicht ganz viereinhalb Meter langen SUV auf allen Plätzen ausgesprochen gut, und selbst der Kofferraum ist mit bis zu 1.650 Liter ziemlich geräumig. Einziger Nachteil: Sämtliche Einkaufstüten und Hutschachteln müssen über eine recht hohe Ladekante gewuchtet werden.

Soul Nicht nur optisch wollte Opel scheinbar alle Ähnlichkeiten mit der neuen Konzernmutter vertuschen, auch bei der Abstimmung des Unterbaus hat Rüsselsheim akribisch darauf geachtet, so viel Eigenständigkeit wie möglich zu beweisen. Das ist gelungen, der Hesse fährt sich deutlich angenehmer als seine französischen Geschwister, das Fahrwerk arbeitet feinfühliger, die Lenkung präziser. Keinen Einfluss konnte Opel dagegen auf den Antrieb nehmen. Heißt: Das etwas störende X im Namen steht eher für “Nix mit Allrad” statt für 4×4. Sämtliche Kraft geht an die Vorderräder, was im Alltag nicht stört, aber bei einem SUV trotzdem schade ist. Und auch die drei Kraftquellen kommen aus Paris: Ein ordentlicher Dreizylinder-Benziner mit 130 PS, der bald auch mit Sechs- statt Achtgang-Automatik erhältlich ist, ein etwas müder 1,6-Liter-Diesel (der ohnehin demnächst durch ein neues Aggregat ersetzt wird) und ein durch und durch kräftiger Zweiliter-Selbstzünder mit stattlichen 177 PS, der den Grandland X – abgesehen von einer kleinen Anfahrschwäche – souverän bewegt und als erster die neueste Euro-6d-Temp-Abgasnorm erfüllt.

Gadgets Viele Ausstattungs-Extras gehören bei Opel inzwischen zum guten Ton, und natürlich lässt sich auch der Grandland X nach Herzenswunsch vollstopfen wie eine Weihnachtsgans – schließlich nimmt er neben dem Insignia die Pole-Position im Opel-Angebot an. Neben den tatsächlich ausgesprochen komfortablen Sitzen mit “Aktion gesunder Rücken”-Siegel, dem taghellen Matrix-LED-Licht, das immer wieder Lob von Ingenieuren anderer Hersteller erntet, und dem Online-Infotainment-System OnStar stehen auch Nettigkeiten wie eine 230-Volt-Steckdose im Fond und im Kofferraum, ein automatischer Parkassistent, Lenkradheizung und eine induktive Smartphone-Ladeschale zur Verfügung – letztere wollte allerdings beim ersten Test noch keinen Strom in das iPhone beamen. Gebündelt werden die meisten Nettigkeiten in der Ultimate-Ausstattung, dann werden aber mindestens 34.000 Euro für den Grandland X fällig, nackt – und das beschreibt die Basis-Version recht treffend – kostet er über 10.000 Euro weniger.

 

Traumtyp Jemandem, der sich gerne die Schuhe schmutzig macht und am Wochenende mit dem Auto über Stock und Stein und bis runter an den Fluss fahren will, ist nichts für den Grandland X. So einer würde den ausschließlich frontgetriebenen Opel viel zu schnell überfordern und an seine Grenzen bringen. Zum Glück aber wollen das die meisten SUV-Fahrer ohnehin nicht und mit viel Platz und reichlich – aufpreispflichtigen – Annehmlichkeiten lockt er lieber Kleinfamilien mit Hund, die es sich gut gehen lassen wollen. Und die Partout keinen Peugeot wollen.


Stats

BMI Kompakt-Klasse, 4,48 Meter lang, 1.575 Kilogramm

Power 2,0-Liter-Turbo-Vierzylinder, 8-Gang-Automatik, 130 kW/177 PS, 400 Newtonmeter

Ausdauer 9,1 Sekunden, 214 km/h

Vorlieben Diesel, 4,8 l/100 Kilometer, 37.320 Euro

Fotos: Opel