#kannganzschönschnell Spitzensport ist sein Job, schnelle Autos sind seine Leidenschaft. Wir waren mit Marcel Nguyen im Porsche Cayman GT4 Clubsport auf der Rennstrecke und haben mit dem Turn-Star im Grenzbereich über Adrenalin, das Kribbeln im Bauch und den Body-Mass-Index des GT4 gesprochen.

   Dresden. Durchtrainiert bis zum Gehtnichtmehr sind sie beide. Doch während Marcel Nguyen mit viel Anstrengung, Disziplin und Eiweißshakes Muskeln aufbauen muss, hatten es die Ingenieure im Entwicklungszentrum Weissach leichter: „Der Cayman GT4 war die optimale Basis für einen Einsteiger-Rennwagen“, betont Porsches Motorsport-Chef Frank-Steffen Walliser. „Für den Clubsport mussten wir das Auto in erster Linie nur wieder ausräumen!“ Und so ist alles aus dem engen Coupé rausgeflogen, was man auf der Rennstrecke – und nur für die ist der Clubsport gebaut – nicht braucht: Beifahrersitz? Türverkleidung? Mittelkonsole? Jedes überflüssige Gramm Gewicht wurde eingespart, am Ende bringt der Porsche nur noch 1.300 Kilogram auf die Waage.

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   Beim Unterbau setzt Porsche auf bekannte Komponenten. Schon der normale GT4 hat die Vorderachse aus dem alten 911 GT3, für den gut 130.000 Euro teuren Clubsport griffen die Entwickler sogar ins Cup-Regal. Dazu gibt’s eine Rennbremsanlage, eine mechanische Quersperre an der Hinterachse und einen 90-Liter-Tank, damit der Porsche wenigstens eine gute Stunde bei Renntempo durchhält. Auf dem Rundkurs rauschen schonmal 50 Liter pro 100 Kilometer durch die Benzinleitungen und rein in den 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxer der, frei von jeglicher Zwangsbeatmung, 385 PS und 420 Newtonmeter Drehmoment über die Slicks auf die Straße entlässt. Der Motor stammt übrigens aus der Serie, einziger Unterschied zum Straßen-GT4: Den Clubsport gibt es nur mit Doppelkupplungsgetriebe, den normalen ausschließlich als Handschalter.

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   Während uns Walliser, der vor seiner Berufung zum obersten Motorsportler übrigens den Hybrid-Traumwagen 918 Spyder verantwortet hat, den Clubsport bis ins letzte Detail erklärt hat, hat Sportsoldat Nguyen seinen drahtigen Astral-Körper bereits in die etwas unvorteilhaft sitzende Rennuniform geworfen und will, den Helm griffbereit unterm Arm, endlich wissen, wie es sich anfühlt, mit dem Clubsport den Lausitzring zu erobern. Privat fährt der gerade 29 Jahre alt gewordene Athlet einen normalen Cayman GT4, doch auf die Rennstrecke hat sich der Münchner bis jetzt noch nicht getraut. Nach ein paar Einführungsrunden mit der Straßenversion ist sich Porsche Werksfahrer Michael Christensen sicher: Marcel ist fit für die ultimative Fahrmaschine, und schon schlüpft das nicht mal 1,70 Meter große Kraftpaket elegant mit einem Felgaufschwung durch den eingeschweißten Überrollkäfig und lässt sich im Schalensitz verzurren.

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   Und dann gibt’s kein Halten mehr: Kaum springt die Ampel auf Grün, rauscht Marcel mit dem schwarz-gelben Clubsport davon, traut sich Runde um Runde mehr zu und bringt den Clubsport immer weiter an seine Grenzen – ohne einen einzigen Dreher oder Ausflug ins Kiesbett!  Über beide Ohren grinsend und voll mit Adrenalin kommt der Turner zurück in die Boxengasse und direkt zum exklusiv Interview mit CarMen:

Marcel, Du bist einer der deutschen Top-Sportler. Auf was kommt es jemanden wie Dir am meisten bei einem Sportwagen drauf an? Lenkung, Fahrwerk oder doch der Motor?

Marcel Nguyen: Ich denke, das Zusammenspiel muss einfach passen, und das ist beim Cayman ziemlich geil – wie bei den ganzen Porsche-Modellen. Das Handling muss gut sein, es muss Power da sein, der Wagen muss einfach leicht und schnell sein.

Wer ist trainierter, der Porsche Cayman GT4 oder Du?

MN: Ich sag’ mal, wir sind beide auf dem gleichen Level. (schmunzelt)

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Du bist bekannt dafür, dass Du am Reck die Spur ziemlich gut hältst. Verglichen mit dem Cayman auf der Straße: Bist Du sicherer an der Stange oder kannst Du Dir da noch eine Scheibe von dem Porsche abschneiden?

MN: (lacht) Also am Reck steh’  ich doch gelegentlich mal unten, von daher gewinnt zumindest bei der Sicherheit schon eher der Cayman.

Und wo ist das Bremsen spannender? Wird mehr Adrenalin freigesetzt, wenn Du vom Reck runterspringst und stehst, oder wenn Du hier auf der Rennstrecke bei über 200 km/h in die Eisen steigst.

MN: Das ist momentan noch hier, beim Autofahren. Das ist krasser! Beim Turnern bin ich es gewöhnt, dass mach’ ich, seit ich sieben Jahre alt bin, das ist nichts besonders mehr für mich. Beim Wettkampf kommt vielleicht noch ein bisschen Spannung dazu, aber ansonsten hab ich da nicht mehr so viel Adrenalin. Vor allem im Training ist das alles eingespielt, da muss ich mich nichts mehr trauen.

Das Kribbeln im Bauch ist also hier auf der Rennstrecke größer?

MN: Definitiv!

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Vor was hast Du am Reck am meisten Respekt, und wo wird Dir beim Autofahren anders?

MN: Also beim Vollgasgeben nicht unbedingt, aber wenn man hier voll in die Kurve geht und der Wagen leicht anfängt, hinten auszubrechen, das find ich richtig cool! Das hab ich beim Turnen eigentlich nur noch, wenn ich neue Elemente ausprobiere oder versuche, einen Schwung mehr zu machen. Das kommt aber selten vor, dass wir das Trainieren. Ich bin beim Turnen doch schon ziemlich am Limit angekommen, wo nicht mehr viel geht!

Apropos Limit: Der Cayman GT4 ist als Clubsport für die Rennstrecke ja noch einen Tick besser trainiert als sonst. Legst Du vor großen Wettkämpfen auch nochmal zu, oder bist Du immer top in Form?

MN: Auf jeden Fall! Wir trainieren in Phasen, weil das Optimum, das Top-Level, das kannst Du einfach nicht für einen langen Zeitraum halten. Das muss man auch gut planen, über ‘nen gewissen Zeitraum. Da gibt es dann auch Vorbereitungswettkämpfe, wo Du langsam Dein Level aufbaust. Die Top-Form kannst Du nur für, ich sag’ mal, einen Monat halten und dann musst Du wieder runter. Der Körper macht das sonst auch nicht auf Dauer mit!

Der Cayman GT4 Clubsport braucht auf der Rennstrecke gut 50 Liter Benzin pro 100 Kilometer. Weißt Du, was Du während eines Wettkampfs an Kalorien verbrauchst?

MN: Das ist schwer zu sagen, aber man verliert da schon mal eineinhalb Kilo!

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Du hast seit Juni eine eigene Briefmarke. Wenn Du Dir jetzt für eine Briefmarke einen Porsche aussuchen dürftest, welcher wäre drauf?

MN: Der Cayman GT4 ist schon mein absolutes Favoriten-Auto. Ich find den megageil und jetzt konnte ich ihn ja das erste Mal auf der Rennstrecke fahren. Jetzt bin ich noch überzeugter von diesem Modell – das ist einfach ein super Auto und macht mega Spaß!

Wie man sieht, verschönerst Du Deinen Körper ja auch gerne mit Tattoos. Wenn Du am Cayman GT 4 Clubsport noch was ändern dürftest, was wäre das?

MN: Die Farbe! Ich finde schwarz ganz gut, und weiß, die Klassiker halt.

Welche Farbe hat Deiner?

MN: Meiner ist auch weiß, aber mit dunklen Rädern.

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Und was ist bei für Dich bei Deinem Porsche die wichtigste Sonderausstattung?

MN: Schwer zu sagen. Im Winter vielleicht die Sitzheizung! (lacht) Und Parksensoren, nur die gibt’s für den GT4 leider nicht. Aber da kann man schon drüber hinwegsehen.

Marcel, wenn Du mit Deinem GT4 und Deinem besten Kumpel am Wochenende rausfährst – wo geht’s hin?

MN: (überlegt) Vermutlich an den Tegernsee!

Nicht auf die Nordschleife?

MN: (lacht) Da hab ich mich noch nicht hingetraut. Aber jetzt wäre das auf jeden Fall mal eine Option, ja!

Letzte Frage: Dein Body-Mass-Index – und was denkst Du, hat so ein GT4 im Vergleich?

MN: Ich weiß leider meinen Body-Mass-Index nicht, keine Ahnung!

Aber ist der GT4 Clubsport ähnlich trainiert wie Du?

MN: Ja, der ist ein Top-Sportler! Definitiv!

Vielen Dank für das Interview!

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   Wer jetzt Lust auf den Porsche Cayman GT4 Clubsport hat, muss sich allerdings auf dem Gebraucht-Rennwagenmarkt umsehen: 420 Exemplare wurden gebaut, doch mit dem Auslaufen der alten Cayman-Generation war auch für das Rennmodell Schluss. Eine Neuauflage auf Basis des aktuellen 718 Cayman will Porsche derzeit zwar noch nicht offiziell bestätigen, gegenüber CarMen hat Frank-Steffen Walliser aber schon so viel verraten: „Er wird zur richtigen Zeit kommen!“

   Deutlich schneller geht es, wenn man Marcel Nguyen live erleben will. Ab Oktober ist der Oberstabsgefreite mit seinem Verein KTV Straubenhardt wieder bei den Bundesliga-Wettkämpfen der Deutschen Turnliga unterwegs. Alle Termine gibt es hier.

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