#siehtdergutaus Ob die Dieselkrise den VW-Konzern wachgerüttelt hat, oder ob die Geschichte beide Ereignisse einfach zufällig in eine zeitliche Nähe gebracht hat – egal. Fakt ist, dass Volkswagen nach bekanntwerden der Abgasschummelei einen Neustart hinlegt, der es in sich hat: Nicht nur, dass die Wolfsburger eine Elektro-Studie nach der anderen ins Rampenlicht schieben, sie trauen sich auch beim Design endlich mutiger zu werden. Den Anfang hat der Arteon gemacht, der T-Roc hat nachgezogen und mit dem Touareg tritt nun auch das neue Markenflaggschiff mit jeder Menge Wow-Effekt auf // Im Rampenlicht

Style Lange wurde um den Phaeton gerungen, am Ende aber haben die Controller gesiegt und die Oberklasse-Limousine ging in die ewigen Jagdgründe ein. Auf ihrem Platz macht sich jetzt der Touareg breit, darf endlich den Staub der vergangenen Jahre abschütteln und sich ohne Nebenbuhler in Szene-Setzen. Mehr noch: Nicht nur Marken-intern braucht er keine Rücksicht mehr auf Ego-Empfindlichkeiten nehmen, auch von seinen Konzerngeschwistern darf er sich inzwischen deutlich unterscheiden. War die Verwandschaft bei der ersten SUV-Trio-Generation aus Porsche Cayenne, Audi Q7 und eben dem Volkswagen noch unübersehbar, ist jetzt – in dritter Ausgabe – Eigenständigkeit angesagt.

Für die sorgen beim Touareg der extrem breite Kühlergrill, der die flachen Matrix-LED-Scheinwerfer förmlich einsaugt, die markanten Linien in der Seitenansicht und ein fast schon sinnliches Heck, das ohne Kennzeichenausparung daherkommt und ähnlich stolz wie dir breit geschwellte Front den chromglänzeden Modellschriftzug zur Schau stellt. Viel präsenter kann man ein SUV – mal abgesehen von der Exzentrik eines Lamborghini Urus – kaum zeichnen und mehr Abstand zum bisherigen Establishment-Design geht nicht. Chapeau!

Glamour Ja, wir Deutschen fahren auch gerne SUV; aber der sparsame Teutone greift inzwischen häufig zum kleinen Hochbeiner. Der ist ja auch viel besser zu Parken als so ein 4,88-Meter-Schiff! Also muss der Touareg nicht nur unseren Geschmack treffen, sondern vor allem den der Chinesen. Nachdem das neue Nobel-SUV in den USA gar nicht antritt, wird das Reich der Mitte der wichtigste Markt sein, und um den zu huldigen, hat man nicht nur die offizielle Enthüllung in Peking zelebriert, sondern den Touareg auch nach fernöstlichem Geschmack ausgestattet. Das trifft für das bereits erwähnte Blechkleid zu, dass mit seiner neuen Opulenz den Chinesen gut gefallen dürfte, aber auch für den Innenraum.

Geräumig, edel, hochwertig und mit einem Infotainment-System, das seines gleichen sucht: ein fettes 15-Zoll-Touchdisplay thront in der Mittelkonsole und lässt selbst das mit 12 Zoll immerhin iPad-Pro-große (!) digitale Kombiinstrument verblassen. Dass die Raumschiffbrücke ständig online und nahezu frei nach eigenem Gusto konfigurierbar ist, versteht sich von selbst. Schade nur, dass die Wolfsburger sich das haptische Feedback von Audi nicht gemopst haben: A7 und A8 signalisieren mit einem leichten vibrieren, dass sie den Druck auf die virtuelle Taste verstanden haben. Apropos verstehen: Natürlich hört auch der Touareg aufs Wort und kann Befehle wie „mir ist kalt“ oder „ich habe Hunger“ interpretieren – auch auf chinesisch übrigens!

Fame Der Touareg hat das Zeug zum Bestseller: Viel Platz, perfekte Verarbeitung, noch bessere Offroad-Fähigkeiten als bisher (auch wenn die die wenigsten Fahrer jemals nutzen werden), eine ganze Armada an Assistenten und teilautonomen Fahrfunktioen, ein High-End-Infotainmentsystem und ein Design, das einfach gut ist: Neben dem durchgestylten Wolfsburger wirkt ein Audi Q7 fast schon plump und selbst der Porsche Cayenne muss sich warm anziehen. Klar, an dessen Fahrdynamik wird der VW freilich nicht ranreichen, doch teilt er sich mit dem Zuffenhausener Sport-SUV immerhin die 48-Volt-Wankstabiliserung, die der Seitenneigung den Garaus macht, bringt eine Allradlenkung mit, die ihn deutlich behänder tänzeln lassen wird und auch der Touareg hat mit bis zu 421 V8-PS jede Menge Wumms unter der hohen Haube. Und während man bei Porsche mit sechzig-, siebzigtausend Euro gerade mal die Anzahlung für den Cayenne geleistet hat, bekommt man in Wolfsburg fürs gleiche Geld schon ein komplettes Auto.

Fotos: VW